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INTERVIEW

Das Festspielhaus Baden-Baden führt am Sonntag, 25. April eine 3D-Oper auf. Schüler*innen aus Deutschland und Irland haben die Oper basierend auf dem Gedicht „Things fall apart“ von William Butler Yeats entwickelt. Wie das Education-Projekt in der Corona-Zeit stattfinden konnte und was es zu bedeuten hat, erzählt Projektleiter Marcel Karnapke im Gespräch mit SWR2.

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Live-Premiere am Sonntag, 25. April 2021 um 18 Uhr

„Things fall apart — wenn die Welt aus den Fugen ist, sicher geglaubte Wahrheiten nicht mehr stimmen und wenn Strukturen und Autoritäten, die sonst Halt versprachen, unter Last zerbröseln... was macht das mit uns, unseren Familien, mit unserer Gesellschaft?“ so kündigt das Festspielhaus Baden-Baden das Projekt an.

Auch wenn das Originalgedicht von W.B. Yeats endzeitlich wirkt, sollte „Diggin' Opera“ keineswegs ein düsteres Projekt werden, erzählt Marcel Karnapke:„Es geht viel mehr um das Zentrum unseres Lebens, das aus den Fugen geraten ist und dass Dinge auseinanderbrechen.“

„Im Auseinanderbrechen werden plötzlich Strukturen sichtbar: Sachen, die gut funktionieren und Sachen, die nicht so gut funktioniert haben.“

Marcel Karnapke, Regisseur und Künstlerischer Leiter bei „Diggin' Opera“, Künstler und VR-Engineer

Wenn Dinge aus den Fugen geraten, helfe nur, das Chaos zu betrachten, neue Perspektiven zu gewinnen und wiederaufzubauen, so Karnapke, „da kann die Kunst auch helfen, Brücken zu schlagen.“

Eindrücke von den Proben

Jugendliche bei den Proben von "Things fall apart"  (Foto: Pressestelle, Festspielhaus Baden-Baden)
Die Schüler*innen des Offenburger Oken-Gymnasium und der Limerick Educate Together Secondary School haben sich nur virtuell kennengelernt. Pressestelle Festspielhaus Baden-Baden Bild in Detailansicht öffnen
„Diggin' Opera“ ist die zweite Stufe eines dreiteiligen Education-Projekts am Festspielhaus Baden-Baden. Pressestelle Festspielhaus Baden-Baden Bild in Detailansicht öffnen

Internationales Education-Projekt mitten in einer globalen Pandemie

Doch wie konnte ein Education-Projekt mitten in einer Pandemie entstehen? Da „Diggin' Opera“ ein internationales Projekt mit Schüler*innen aus Deutschland und Irland ist, sei man schon auf eine Zusammenarbeit im Internet vorbereitet gewesen, erzählt Karnapke.

„Wir mussten sehr viel koordinieren. Das Internet ist eine wunderbare Erfindung, hat aber auch seine Tücken“, so der Projektleiter.

Private Auswirkungen eines globalen Phänomens

Man habe den Jugendlichen am Anfang viel Freiraum gelassen, ihre Lebensrealität in die Oper einzubringen. Es ging darum, was sie bewegt, was ihre Probleme, Träume und Wünsche sind.

„Wir haben relativ schnell gesagt, wir wollen daraus Kunst machen“, so Karnapke. Wenn man aus der künstlerischen Perspektive mit Kindern arbeite, seien sie sehr offen und redeten über ihre sehr privaten, sehr individuellen Probleme.

„Wir haben festgestellt, dass das gar keine lokalen Probleme sind, sondern es ist ein globales Phänomen, mit dem wir uns gerade alle auseinandersetzen.“

Marcel Karnapke, Regisseur und Künstlerischer Leiter bei „Diggin' Opera“, Künstler und VR-Engineer

Gemeinschaft im virtuellen Raum

Zunächst habe man eine zweidimensionale Welt mit den Jugendlichen gestaltet und sie anschließend in eine VR-Welt übertragen. In der selbst gestalteten Cyberwelt sind die Jugendlichen durch Avatare repräsentiert. Sie können sich gegenseitig wahrnehmen und miteinander interagieren.

Die Aufführung selbst sei nicht ganz live, erklärt Marcel Karnapke: „Wir mussten einige der Materialien vorab aufnehmen, der Eindruck von Gemeinschaft wird aber an vielen Stellen entstehen.“

Die Schönheit des physischen gemeinsamen Sein sei natürlich nicht möglich. Diese wurde dann technisch umgesetzt.

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