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Lange schwankte Robert Schumann zwischen einer Laufbahn als Literat und als Komponist. Über zehn Jahre lang war er Redakteur seiner eigenen „Neuen Zeitschrift für Musik“ – und sein künstlerisches Schaffen wurde durch diese musikjournalistische Tätigkeit entscheidend mitgeprägt. Wie, das zeigt jetzt Jochen Lebelt in seinem neuen Buch „Schumann als Redakteur“. Christoph Vratz stellt es vor.

Schumanns erste Musikkritik war Chopin gewidmet

Diese Postsendung sollte in gewisser Hinsicht sein Leben ändern und prägen, zumindest für mehr als zehn Jahre. Am 27. September 1831 bringt Robert Schumann die erste selbst verfasste Musikkritik zur Post. Thema: die „Mozart-Variationen“ von Frédéric Chopin.

„Die erste Variation wäre vielleicht etwas vornehm und kokett zu nennen … Das gibt sich jedoch von selbst in der zweyten, die schon viel vertrauter, komischer, zänkischer ist, ordentlich als wenn zwey Liebende sich haschen und mehr als gewöhnlich lachen.“

Robert Schumann

Schumann fängt Feuer, zumal er nicht in Form einer heutigen Musikkritik schreibt, sondern im Stil einer freien Erzählung, mit den von ihm erfundenen Figuren der Davidsbündler im Mittelpunkt.

„Nun aber die vierte, was hältst Du davon? Eusebius spielte sie ganz rein - springt sie nicht keck und frech […] Das ist nun aber alles nichts gegen den letzten Satz - hast Du noch Wein, Julius?“

Robert Schumann

Schumann konzentrierte sich auf zeitgenössische Musik

Schumann ist zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt. Knapp drei Jahre später kann er sein lang entwickeltes Projekt endlich realisieren: Die erste Ausgabe der „Neuen Zeitschrift für Musik“ erscheint. Gründe für diesen Schritt gibt es reichlich, wie Autor Jochen Lebelt in seinem Buch „Robert Schumann als Redakteur“ herausarbeitet: Schumann möchte die neue, damals zeitgenössische Musik stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Hinzu kommen Motive wie Anerkennung und der Wunsch nach materieller Absicherung. Lebelt geht den einzelnen Gründen rund um die Entstehung von Schumanns Zeitschrift genau nach – ein Detektivspiel das erschwert wird, weil Schumann in seinen Tagebuch-Einträgen fast fünf Jahre lang kein Wort über das Projekt Musik-Zeitschrift verliert.

Die Zeitschrift als musik-ästhetisches Kampforgan

Über einen Zeitraum von zehn Jahren erscheint Schumanns Zeitschrift – bis 1844. Sie entpuppt sich als allgemein musik-ästhetisches Kampforgan und zugleich als persönliches Sprachrohr des Künstlers Robert Schumann. Dabei ist ihm immer wichtig, nicht nur die Gegenwart des Musiklebens abzubilden. Eine Zeitschrift solle...

„… erstens die Zeit abspiegeln, zweitens sie bekämpfen, drittens ihr sogar vorauseilen!"

Robert Schumann

Lebelt beleuchtet auch die Hintergründe sehr genau und erörtert Fragen wie: Mit wem hat Schumann zusammengearbeitet? Wie hat er Manuskripte anderer Autoren bearbeitet? Wie ist er mit fälligen Honoraren umgegangen? Wie war der Vertrieb organisiert? Schließlich: Wie kam es zur Beendigung seiner Redaktionstätigkeit nach genau zehn Jahren und 20 Bänden?

„Schumanns Beendigung der Redaktion kam nicht infolge leichtfertigen Entschlusses zustande […], sondern er war hierbei sehr verantwortungsbewusst auch um die Zukunft seiner Zeitschrift besorgt.“

Jochen Lebelt

Der Drang, vermehrt als Komponist tätig sein zu wollen, ist sicher einer der zentralen Gründe für Schumanns Ausscheiden.

„... ich schreibe nur gezwungen Buchstaben, und am liebsten gleich Sonaten und Symphonien.“

Robert Schumann

Gut lesbar und stichhaltig argumentiert

Jochen Lebelt führt uns in seinem Buch nicht auf einen x-beliebigen Nebenpfad in Schumanns Biographie. Vielmehr kann er überzeugend nachweisen, wie eng seine Redakteurs-Tätigkeit mit der des aktiven Musikers verzahnt war.

Schumanns Ziele als Autor über Musik und die des Komponisten Schumann waren deckungsgleich: Er wollte das Musikleben voranbringen, modernisieren, Platz machen für neue Klangsprachen. Lebelts Buch erweist sich sprachlich als gut lesbar und in seiner Argumentation als stichhaltig, wozu auch eine Fülle an Quellen und Belegen beiträgt.

Überarbeitete Promotion von 1987

Besonders aber ist die Entstehungsgeschichte des Bandes: Die Grundlage bildet eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1987, die an einer Hochschule eingereicht wurde, die es heute nicht mehr gibt, nämlich in Zwickau. Öffentlich zugänglich war die Arbeit nicht, und trotzdem hat sie in der Schumann-Forschung eine gewisse Aufmerksamkeit gefunden.

Daher hat Lebelt die alte Promotion nun neu überarbeitet – teils gekürzt, teils ergänzt, minimal neu gegliedert, auf jeden Fall aber von allen ideologisch gefärbten Formulierungen, wie sie an einer DDR-Hochschule gefordert waren, bereinigt.

Der Band „Robert Schumann als Redakteur 1834 – 1844. Eine Studie über Robert Schumanns Tätigkeit als Redakteur der „Neuen Zeitschrift für Musik“ ist beim Verlag Königshausen & Neumann erschienen. 366 Seiten kosten 49,80 Euro.

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