Jazz Ungewöhnlich besetzter Jazz: Harp vs. Harp von Edmar Castaneda & Grégoire Maret

Von Johannes Kaiser

Auf dem Musikkonservatorium in Genf machte Grégoire Maret eine klassische Musikausbildung. Dann zog es ihn nach New York an die „New School“, eine Hochburg des Jazz. Zahlreiche Jazzmusiker heuerten ihn als Sideman und für Studioaufnahmen an, denn gute Mundharmonikaspieler sind im Jazz rar gesät. Jetzt hat Grégoire Maret gemeinsam mit dem Harfenvirtuosen Edmar Castaneda das Album „Harp versus Harp“ aufgenommen.

Außergewöhnliches Duo

Der Titel ,Blueserinho‘ mische zwei Kulturen, die ihn sehr stark beeinflusst hätten, erzählt Grégoire Maret. Das sei die brasilianische Musik und genauso offensichtlich der Blues. „Ich wollte einen Blues brasilianischer Stimmung schreiben.“ Das ist dem Schweizer Mundharmonikaspieler gut gelungen, und zwar in sehr ungewöhnlicher Instrumentierung.

Er hat seine Titel zusammen mit dem kolumbianischen Harfenisten Edmar Castaneda eingespielt. Ein solches Duo ist im Jazz eine Ausnahmeerscheinung. Zu Unrecht, möchte man sagen, wenn man hört, wie perfekt sich die beiden ergänzen. Getroffen haben sie sich zum ersten Mal 2013 beim Monte Carlo Jazzfestival als Gäste des Gitarristen Marcus Miller.

Die Musiker Edmar Castaneda und Grégoire Maret (Foto: Pressestelle, Label ACT - Foto: Aline Müller)
Edmar Castaneda (Harfe) und Grégoire Maret (Mundharmonika) Pressestelle Label ACT - Foto: Aline Müller

Sie verstanden sich auf Anhieb. Grégoire Maret spielte anschließend ein paar Mal in Edmar Castanedas Band mit, wobei sie mehrere Stücke als Duo interpretierten. Das klappte so vorzüglich, dass sie beschlossen, fortan auch reine Duokonzerte zu geben. Bei denen erprobten sie dann auch jene acht Titel, die jetzt auf ihrem Debütalbum gelandet sind.

Poetisch sein und „durch die Schönheit reisen“

Grégoire Maret: „Die Platte reist durch verschiedene Kulturen, durch unterschiedliche Klangumgebungen und wir ermutigen den Zuhörer, emotionale Dinge auszuprobieren, denen er noch nie ausgesetzt war. Heute denken viele nur noch ans Geschäft. Die Poesie der Musik und ihr emotionaler Aspekt werden vernachlässigt. Um genau diesen Aspekt geht es uns, poetisch und schön zu sein und durch die Schönheit zu reisen.“

Banjospieler Béla Fleck und Sängerin Andrea Tierra als ideale Ergänzung

Für einige Titel haben sich die beiden Musiker den Banjospieler Béla Fleck und die Sängerin Andrea Tierra ins Studio eingeladen. Sie geben diesen Stücken den letzten Feinschliff, erweisen sich als ideale Ergänzung.

Grégoire Maret: „Ich habe zum Beispiel ,Hope‘ geschrieben. Das sollte eigentlich auch der Plattentitel sein. Der Grund dafür war, dass wir dem Zuhörer ein bisschen Freude machen wollen in einer Situation, die ziemlich dunkel erscheint - wenn man sich die Politik anschaut. In der Welt herrscht viel Chaos, und wir dachten uns, wir könnten vielleicht ein angenehmes Gefühl oder etwas Positives rüberbringen. Die anderen Kompositionen folgen gewissermaßen demselben Weg.“

Ein Album zum Wohlfühlen

Alle Titel schwelgen in Schönheit. Die beiden Kompositionen des Harfenisten Edmar Castaneda und auch die beiden brasilianischen Songs, das Tangostück und eine Charlie Haden Komposition. Sie nehmen uns mit auf eine Reise ins Klangreich der musikalischen Harmonie. Ein Album zum Wohlfühlen.

CD-Tipp am 28.6.2019 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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