"Red Messiah" von Jan Felix May Verdammt gute Musik

Von Georg Waßmuth

Seit die Musikhochschulen auch dem Jazz ihre Pforten geöffnet haben, studieren immer mehr junge Menschen in diesem Fach.
Mehr als 1.500 sind aktuell landauf, landab immatrikuliert. Doch Ausnahmetalente muss man auch in diesem Schwarm mit der Lupe suchen. Der 24jährige Jan Felix May aus Mainz ist sicher eins. Er ist vielfach ausgezeichnet und wird mit seiner Band bereits zu arrivierten Festivals eingeladen.
Jetzt legt der Pianist beim Label „Jazzline“ sein Debüt vor.

Große Geste zum Auftakt

Das Cover der CD von Jan Felix May ist eine kleine, wohldosierte Provokation. Als rothaariger Messias mit nacktem Oberkörper und strengem Blick schaut er den Betrachter unverwandt an. Das sei absolut so gewollt, meint der Jazz-Pianist mit einem kleinen Augenzwinkern. Vom Phänotyp her passe das ja, meint May und mit ein bisschen Phantasie könne man sich dabei auch Jesus vorstellen. "Ich muss zugeben, ich finde es vor allem auch sehr witzig! Ich finde, gerade wenn man sein erstes Album macht, dann sollte man sich nicht zu ernst nehmen."

Von der Russischen Klavierschule zu Oscar Peterson

Ohne die verdammt gute Musik, die Jan Felix May mit seiner Band abliefert, wäre die große Geste auf dem Cover sicher etwas fragwürdig. Doch es passt einfach eins zum anderen. 1993 wurde das Ausnahmetalent in Mainz geboren und schraubte sich schnell auf dem Klavierhocker in die Höhe. Beinahe hätte Jan Felix May jedoch vor einer russischen Klavierlehrerin kapituliert. Doch dann habe er mit 13 Jahren Oscar Peterson gehört und gedacht, "ja, das ist es jetzt eher noch."

Musikalische Karriere mit der Fast-Forward-Taste

Jan Felix May war Jungstudent an der Hochschule für Musik in Mainz und drückte dort die Fast-Forward-Taste. Erst Bachelor-Prüfung in rekordverdächtiger Zeit, dann Auszeichnungen, etwa bei der Internationalen Jazzwoche in Burghausen, dann die Bandgründung und ein steter Output als Komponist. Seine Musik könnte man in einen Bandwurm-Begriff wie „Elektro-Rock-Pop-Jazz-Fusion-Elaborat“ verpacken. Doch der junge Künstler winkt lächelnd ab.Seine Musik habe einfach viele Einflüsse. "Ich schreibe die Musik für meine Band und ich habe immer sehr viel unterschiedliche Musik gehört. Und somit klingt sie auch nach vielen Einflüssen. Das mache ich jetzt nicht, weil der Jazz mir nicht reicht, sondern weil ich das einfach interessant finde."

Ein Füllhorn mit musikalischen Ideen

Jan Felix May ist beileibe kein Einzelkämpfer. Er hat sich mit einer furiosen Band umgeben die mit ihm seinen musikalischen Kosmos durcheilt. Doch Input für die Debüt-CD kam auch von ganz anderer Seite. Bei einer atmosphärisch aufgeladenen Ballade wollte der junge Komponist unbedingt die Stimme von Christian Brückner als Erzähler einsetzen. Er fuhr nach Berlin, gab mutig die Textzeilen bei dessen Ehefrau ab und hörte erst mal - gar nichts! Zwei Monate später kam in der Post eine CD. Kein Begleitschreiben, einfach nur: "Christian Brückner, zwei Fassungen". Jan Felix May war perplex und die Fassungen waren für ihn perfekt.

Jan Felix May liefert mit seinem Debüt „Red Messiah“ eine furiose Überfahrung ab. Er und seine Band schütten über dem Hörer ein Füllhorn an Idee aus. Diese Spielfreude überträgt sich unmittelbar – das muss man gehört haben!

CD-Tipp am 12.10.2018 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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