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Der Dirigent James Levine ist im Alter von 77 Jahren verstorben. Levine hat als renommierter Dirigent unter anderem das Metropolitan Orchestra, sowie das Orchester in Boston und die Münchner Philharmoniker geleitet. Seine letzten Jahre waren von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs geprägt.

James Levine am Dirigiertpult, schwarz-weiß (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/AP | Michael Dwyer)
James Levine starb am 9. März in Palm Springs, Kalifornien im Alter von 77 Jahren. Sein Arzt bestätigte seinen Tod am Mittwoch, 17. März der Washington Post. picture alliance/dpa/AP | Michael Dwyer

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs zum Ende der Karriere

James Levine war über 40 Jahre künstlerischer Leiter der Metropolitan Opera in New York, bevor seine Karriere 2018 dort nach Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens ein Ende fand. Der Dirigent hatte die Anschuldigungen von mehreren jungen Männern stets zurückgewiesen.

Vor der Entlassung hatte die Met eine interne Untersuchung angestellt und glaubwürdige Beweise gefunden für Levines „sexuell missbräuchliches und belästigendes Verhalten gegenüber gefährdeten Künstlern im Anfangsstadium ihrer Karriere.“

Levine wehrte sich gegen die Entlassung mit einer Klage und konnte sich außergerichtlich mit der Met einigen.

Trennungsgeld New Yorker Met zahlte James Levine angeblich 3,5 Millionen Dollar Abfindung

Am 3. Dezember 2017 suspendierte die New Yorker Metropolitan Opera ihren Star-Dirigenten James Levine nach Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen, die Kündigung folgte im März 2018. Der folgende Streit über die Rechtmäßigkeit der Kündigung wurde offenbar mit einer Abfindung beendet.  mehr...

Leben und Wirken James Levines

Bevor die Vorwürfe an die Öffentlichkeit gelangten, war James Levine ein renommierter Dirigent. In vier Jahrzehnten prägte er die Metropolitan Opera durch ein vielfältigeres Programm. Sein Vorgänger Rudolf Bings machte nach Kritikermeinung aus der Met ein „Opern-Museum für klassisch-romantische Musik“.

Levine initiierte die Fernsehserie „Live from the Met/Metropolitan Opera Presents“, gründete das „Met's Young Artist Development Program“ und nahm den kompletten „Ring des Nibelungen“ wieder auf.

Weltweiter Einfluss

Bei den Salzburger Festspielen dirigierte Levine seit 1975 über 100 Opernaufführungen und Konzerte mit den Wiener Philharmonikern. In Bayreuth debütierte er 1982 und dirigierte als erster Amerikaner die Neuinszenierung von „Parsifal“.

Im Jahr 1999 wurde Levine der Nachfolger von Sergiu Celibidache als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. In fünf Jahren machte er neben der Musik des Barock auch Werke des 20. Jahrhunderts zu einem Schwerpunkt im Programm. Im Jahr 2004 trat Levine seinen neuen Posten als Musikdirektor des Boston Symphony Ochestra an.

Trotz Anschuldigungen Unterstützung von Musikern

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Zuletzt erregte Levine im Herbst 2020 mediales Aufsehen, als bekannt wurde, dass er als Ehrengast am Theater Maggio Musicale Fiorentino dirigieren sollte.

Zubin Mehta und Theaterleiter Alexander Pereira luden James Levine und Placido Domingo bewusst ein: als Rettungsaktion für die vermeintlich zu Unrecht öffentlich verunglimpften Künstler. Das Konzert konnte wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden.

Kulturmedienschau Zum Tod des Dirigenten James Levine | 18.3.2021

Morgen erscheint ein Techno-Album des Künstlers Jonathan Meese - in Zusammenarbeit mit dem Musiker DJ Hell: Das ist ein Thema heute auf den Kulturseiten der Zeitungen und im Netz. Und es gibt viele Nachrufe auf den amerikanischen Dirigenten James Levine, der mit 77 Jahren in Palm Springs gestorben ist.  mehr...

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