STAND
AUTOR/IN

Seinen englischen Flügel der Firma Broadwood nahm Ludwig van Beethoven in seinen späten Lebensjahren überall hin mit. Grund dafür war nicht der schöne Klang des Instruments, sondern Beethovens fortgeschrittene Gehörlosigkeit. Der Pianist und Musikwissenschaftler Tom Beghin hat zu seinem Gesprächskonzert bei den Schwetzinger Festspielen einen originalgetreuen Nachbau und eine Gehörmaschine mitgebracht. Damit gewährt er einen Einblick in die Entstehungsumstände der späten Klaviersonaten.

Audio herunterladen (12,1 MB | MP3)

Wie konnte Beethoven mit einer Behinderung komponieren und wie wirkte sich das auf seine Musik aus? Um diesen Fragen nachzugehen, arbeitet Tom Beghin mit einem originalgetreuen Nachbau seines Instruments. Denn der Broadwood-Flügel und die dazu gehörende Gehörmaschine waren für Beethoven essenziell.

„Dieses Klavier war wichtig für Beethoven, vor allem weil es eine große Vibrationsenergie hat. Viel stärker, viel mehr als Wiener Flügel, Wiener Klaviere von seiner Zeit.“                

Tom Beghin, Pianist und Musikwissenschaftler

Besonderheiten des Broadwood-Flügels

Unter der Klaviatur des Broadwood-Flügels ist ein Filzstreifen angebracht, erzählt Beghin. Wenn man spielt, schlagen die Tasten also nicht hart nach unten, sondern man kann sie noch ein wenig nachdrücken. Als eine Art „Aftertouch“ beschreibt Tom Beghin das Gefühl: wie bei einigen Keyboards, deren Klang man auch noch verändert kann, nachdem man die Taste durchgedrückt hat.

Statt eines Klavierdeckels ist auf dem Flügel eine Gehörmaschine befestigt, wie Ludwig van Beethoven sie am Ende seines Lebens benutzt haben soll, als er schon fast taub war: ein großer Aufsatz aus Zink. Er öffnet sich von hinten nach vorne, wie eine große Muschel. Und bündelt die Schallwellen dort, wo der Pianist auf dem Klavierhocker sitzt. Der Klang aus der Gehörmaschine ist für Beghin alles andere als schön.

„Es ist zu laut, man hört auch das Metall, es klingt fast wie ein Blasinstrument eigentlich. (...) aber es hilft, um zu versuchen zu verstehen, wie eine behinderte Person wie Beethoven, taub, musiziert hat. Man findet Eigenschaften der Musik, die man vorher nicht realisiert hat.“  

Tom Beghin, Pianist und Musikwissenschaftler

Die Taubheit Beethovens: eine entscheidende Barriere für seine Musik

Mit dem Projekt geht es Tom Beghin nicht um eine makellose Neuinterpretation mit historisch informiertem Background. Es ist ein Angebot, die Taubheit als Teil einer Barriere nachzuvollziehen, mit der Beethoven gekämpft hat. Er komponierte geniale Musik nicht trotz dieses Handicaps, sondern auch durch seine Gehörlosigkeit. Diesen Zusammenhang möchte Tom Beghin sichtbar machen. Wie es am Ende wirklich gewesen ist, bleibt aber ungewiss.

Schwetzingen

Schwetzinger SWR Festspiele So waren die Schwetzinger SWR Festspiele im Herbst

Mit neun Konzerten im Schwetzinger Schloss holte das Festival seine im Mai ausgefallene 69. Ausgabe nach. Vom 20. bis 29. Oktober fanden die Schwetzinger SWR Festspiele mit Publikum statt. Die Konzerte wurden in SWR2 im Radio übertragen und können online nachgehört und zum Teil als Video angesehen werden.  mehr...

Schwetzinger SWR Festspiele Quatuor Ébène

Mit Beethovens Streichquartetten war das Quatuor Ébène im vergangenen Jahr rund um die Welt unterwegs und hat mit diesem "Beethoven Around the world" Projekt auch sein 20jähriges Bühnenjubiläum gefeiert.  mehr...

SWR2 Abendkonzert SWR2

Schwetzinger SWR Festspiele Belcea Quartet - In mysterious company

Das Belcea Quartett mit ihrem Programm „In mysterious company“. Lassen Sie sich überraschen, in welcher mysteriösen Gesellschaft sich Beethovens op. 130 und die große Fuge op. 133 befinden.  mehr...

SWR2 Abendkonzert SWR2

STAND
AUTOR/IN