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25 Jahre Heidelberger Frühling – das sollte 2021 eigentlich mit einer großen Festivalausgabe gebührend gefeiert werden. Stattdessen haben die Macher unter dem Motto „Lasst uns spielen!“ ein groß angelegtes Digitalprogramm aufgelegt. Unter dem Titel „Kosmos Jörg Widmann“ ist eine ganze Veranstaltungsreihe dem Komponisten gewidmet, der einen Wunsch für diese Festivalausgabe hat: „Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen.“

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Ein Experiment: Moderne und traditionelle Musik verbinden

Für Jörg Widmann ist der Heidelberger Frühling eine „künstlerische Heimat“, erklärt der Komponist und Klarinettist im Gespräch mit SWR2. Seit 2004 prägt er das Festival mit und lässt sich auch selbst davon bereichern. Sein in Heidelberg zusammengesetztes Duo-Programm für Geige und Cello wird sogar in der Carnegie Hall als „Heidelberger Fassung“ bezeichnet.

Dabei war das Festival noch im Jahr 2004 sehr klein: Widmann erinnert sich an insgesamt nur fünf Musiker*innen, kleine Räume und wenig Publikum. Doch das Experiment, Moderne und traditionelle Musik zu verbinden, gelang und das Festival wurde schnell größer.

„Wenn man nicht wagt, dann kann auch nichts Besonderes passieren.“

Jörg Widmann, Klarinettist und Komponist

Besonders dankbar ist der Komponist für die Offenheit und das Vertrauen des Publikums, dem er — so Widmann — immer Neues und auch Experimentelles zugemutet habe: „Da kann auch nicht immer alles gelingen, aber das ist ja das Schöne.“

Video-Stream: Öffentliche Probe mit Jörg Widmann und dem Malion Quartett

Alles aus dem digitalen Format herausholen

Nach einem Jahr Corona und Streaming-Konzerte, reiche es aber nicht mehr aus, eine Bühne abzufilmen, so das Festival auf seiner Webseite. Das Festival hat sich vorgenommen, mehr aus der digitalen Form zu machen. Für Jörg Widman bedeutet das, mit dem Video-Format zu experimentieren und es auch als künstlerisches Mittel zu betrachten.

Das, was sonst hinter verschlossenen Türen stattfindet, soll dem Publikum präsentiert werden. „Es könnte für das Publikum spannend sein, in diese Werkstatt hineinzuschauen. Also nicht immer nur auf das Endresultat zu sehen“, schlägt Jörg Widmann vor.

Außerdem möchte er mit Licht und nahen Kamera-Einstellungen Neuland entdecken. Gerade in seinen Streichquartetten seien neue Spieltechniken dabei, die nicht nur hörens- sondern auch sehenswert seien, so der Komponist.

„Lasst uns spielen!“ — Digitalausgabe zum 25. Jubiläum

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Als sich der dritte Lockdown abzeichnete, war es für das Team des Heidelberger Frühlings klar, dass das Festival nicht in gewohnter Form stattfinden kann.

Dennoch sollte es nicht komplett abgesagt werden: „Eine Sache war mir ganz besonders wichtig, dass wir sie auch in einem digitalen, in der digitalen Form des Festivals beibehalten“, so Widmann — auch wenn nichts auf der Welt jemals das Live-Erlebnis ersetzen werde.

„Für mich war aber klar, dass ich nach Heidelberg komme und nicht dieses Virus triumphieren lasse, weil wir fest daran glauben, dass die Musik und der Austausch und die Kommunikation wichtiger denn je ist.“

Jörg Widmann
Heidelberg

Festival Heidelberger Frühling: Kostenlose Konzertstreamings vom 20. März bis 18. April

Nach der Festivalabsage für 2021 hat der Heidelberger Frühling ein digitales Ersatzprogramm aufgestellt. Unter dem Motto „Lasst uns Spielen!“ bietet das Festival kostenlose digitale Konzerte an.  mehr...

SWR2 Abendkonzert vom 24.3.2021

Fauré Quartett
Toshio Hosokawa:
Klavierquartett "The Water of Lethe"
Felix Mendelssohn Bartholdy:
Klavierquartett Nr. 2 f-Moll op. 2
Robert Schumann:
Klavierquartett Es-Dur op. 47
(Konzert vom 19. April 2016 in der Alten Aula der Universität Heidelberg)

Podcast:
"Hear my voice! Musikerinnen weltweit" Folge 2
Lido Pimienta: In Kolumbien im Überlebensmodus
Von Marlene Küster  mehr...

SWR2 Abendkonzert SWR2

Schlüsselwerk „Für mich ist sie das Stück der Stücke“: Jörg Widmann erklärt Beethovens Siebte

Die Uraufführung der 7. Sinfonie im Dezember 1813 geriet zu einem der spektakulärsten Erfolge, die Beethoven je hatte. Begeistert vom rhythmischen Drive und ekstatischen Schwung der Ecksätze waren allerdings nicht nur die Zeitgenossen. Auch der Komponist, Klarinettist und Dirigent Jörg Widmann ist von seiner Jugend an fasziniert vom musikalischen Furor der Siebten. „Sie war für mich immer und bis zum heutigen Tag das Stück der Stücke. Wenn man auf die berühmte Insel unter Folter gezwungen wäre, sich auf drei Stücke zu reduzieren: Die Siebte von Beethoven wäre für mich auf jeden Fall dabei!“, sagt er im Gespräch. Ein Einblick in eine neue Folge der Sendereihe „SWR2 Schlüsselwerke“.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

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