Brüggemanns Klassikkommentar

Halbe Gagen: Sind Klassik-Künstler*innen zu teuer?

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AUTOR/IN
Axel Brüggemann

Ein Schweizer Konzertveranstalter will den Klassikmarkt revolutionieren, indem er die Gagen der Spitzenmusiker*innen um 50 Prozent kürzt. Sind Klassik-Künstler*innen tatsächlich zu teuer? Musikjournalist Axel Brüggemann kommentiert eine Debatte, die seiner Meinung nach längst überfällig ist.

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Ticketpreise halbieren als Lösung?

Mischa Damev ist Intendant der Konzertreihe Migros-Kultur in der Schweiz und des Septembre Musical in Montreux. Und steht nun im Zentrum einer Klassik-Debatte, die an Fahrt aufnimmt.

Der Grund: Mischa Damev hat in den Zeitungen der Schweiz Media ein Interview gegeben, das an den Grundfesten des bestehenden Klassik-Betriebes rüttelt.

Debatte überfällig

Die Debatte, die seit diesem Interview – besonders auf Instagram –tobt, ist überfällig. Ja: Die Klassik befindet sich in einem gigantischen Transformationsprozess. Und ich persönlich befürchte, die fünf Punkte von Mischa Damev sind nur die Spitze des Eisberges.

Die Klassik leidet unter Fachkräftemangel, niemand will sich die abseits der Top-Gehälter eher schlechte Bezahlung, absurde Arbeitszeiten und einen oft noch ruppigen Umgangston antun – aber all das ist in der Klassik noch gang und gäbe.

Und, ja: Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Sängerin an einem Stadttheater 2.000 Euro pro Monat und ein Superstar an einem ebenfalls durch Steuern mitfinanzierten Konzerthaus 20.000 Euro pro Abend bekommt.

Tiefgreifender Wandel erforderlich

Und dennoch ist Mischa Damevs Klassik-Revolution etwas zu kurz gegriffen. Wer glaubt, dass Konzerte, in denen das Publikum um das Orchester sitzt oder Abende, in denen Schauspieler Werke erklären, bereits die Lösung sind, irrt.

Der Wandel muss tiefgreifender stattfinden. Und ein Schlüssel ist neben aller Kreativität neuer Formate die Qualität.

Strukturen noch zeitgemäß?

Ein gutes Konzert wird nicht langweilig. Dafür müssen allerdings alle Musikerinnen und Musiker jeden Abend wissen, warum sie eigentlich auf der Bühne stehen. Und das Publikum muss den Konzertort wieder als Ort der Entschleunigung entdecken.

Die Klassik sucht neue Wege. Und das ist gut so. Die Beharrungskräfte, dass alles bleiben soll, wie es einmal war, sind groß: Aber nach Corona und in der Wirtschaftskrise zeigt sich: Die Klassik, ihre Struktur und ihre Angebote sind kaum noch zeitgemäß.

Mischa Damevs Thesen können ein erster Anstoß gewesen sein. Die spannende Diskussion um die Zukunft der Musik hat gerade erst begonnen – und wird letztlich auf unseren Bühnen und in unseren Konzertsälen entscheiden. 

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