Musik und Politik

Auch Bassist der türkischen "Grup Yorum" an Hungerstreik-Folgen gestorben

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Er hatte mehr als 300 Tage gefastet, um damit die Aufhebung des Auftrittsverbots seiner Band und die Freilassung inhaftierter Bandmitglieder zu erreichen. Nun ist Bassist Ibrahim Gökçek an den Folgen seines Hungerstreiks gestorben.

Konzert in Istanbul 2015 von Grup Yorum und Joan Baez (Foto: Imago, Seskim Photo)
2015 noch öffentlich umjubelt - bei einem Auftritt in Istanbul zusammen mit der Folklegende Joan Baez Imago Seskim Photo

Ein zweites Mitglied der türkischen Folk-Band "Grup Yorum" ist an den Folgen seines 323 Tage langen Hungerstreiks gestorben. Bassist Ibrahim Gökçek sei in einer Istanbuler Klinik verschieden, teilte die Gruppe am Donnerstag, 7. Mai, auf Twitter mit. Seinen Hungerstreik aus Protest gegen das harte Vorgehen der Regierung gegen die Band hatte der 41-Jährige vor zwei Tagen beendet, daraufhin war er in die Intensivstation eingeliefert worden. Erst Anfang April war die 28-jährige Sängerin von Grup Yorum, Helin Bölek, nach 288 Tagen im Hungerstreik gestorben.

After resisting for 323 days to play his guitar freely, Ibrahim Gökçek has died. https://t.co/f0cWcpmiG8

Grup Yorum wurde 1985 in Istanbul gegründet. Die populäre Band ist für ihre regierungskritischen Protestsongs bekannt und setzt sich aus wechselnden Mitgliedern zusammen. Die Regierung wirft Grup Yorum Verbindungen zur verbotenen militanten Untergrundorganisation DHKP-C vor, die von der Türkei, den USA und der EU als Terrorgruppe eingestuft wird. Zwei Mitglieder von Grup Yorum, darunter Gökçeks Frau, sind noch im Gefängnis.

Auftrittsverbot seit 2016

2016 wurde Grup Yorum in der Türkei mit einem Auftrittsverbot belegt, einige Musiker wurden festgenommen. Ihren Hungerstreik hatten Gökçek und Bölek im vergangenen Jahr im Gefängnis begonnen, um die Regierung zur Aufhebung des Verbots und zur Freilassung ihrer inhaftierten Bandkollegen zu bewegen. Im November kamen die Sängerin und der Bassist zwar frei, setzten ihren Hungerstreik jedoch fort. Damit wollten sie auch erreichen, dass Klagen gegen die Band fallengelassen werden und deren politische Verfolgung aufhört.

Korrespondent und Journalist für Spiegel und Spiegel-Online Hasnain Kazim

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