Glosse

Gordon Kampe: Kulturpolitik sollte mehr Fagott wagen

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Bevor er Komponist werden wollte, schielte unser Glossist Gordon Kampe auf eine Politik-Karriere. Jetzt fände er es gut, wenn die Politiker*innen mal bei ihm für ein Praktikum vorbeischauen würden: Sie könnten einiges lernen – von Trugschlüssen bis zu schön gestalteten Phrasen. Und ganz wichtig: Wie man dem Fagott mehr Freiheit geben könnte!

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Statt Politik doch lieber Oper

Ich habe eine dunkle Vergangenheit. Bevor ich in Zukunft meine Kanzlerkandidatur einreiche, sollte ich jene dunklen Flecken offenbaren – nicht, dass ich mich am Ende noch ärgere: Ich wollte damals immer Politiker werden.

In der Pubertät bekam ich zwar keine Pickel, aber ein Parteibuch – und anstatt geflissentlich Es-Dur-Skalen zu üben, ging ich zu Parteitagen. Dass man über Kabale, Ränke, Intrigen aber auch prächtig singen kann, brachte mich dann  doch zur Oper. Glück gehabt.

Praktikum beim Komponisten

Mein Politik-Praktikum habe ich also absolviert und ich wünschte, dass jene Politiker*innen, die demnächst im Kulturbereich in Verantwortung kommen oder bleiben, nun auch ein Praktikum bei Leuten wie mir machen.

Herzliche Einladung: mal in einem Theorie-Seminar etwas über die Innovationskraft von Verboten lernen, ein paar Pralltriller auf der Blockflöte üben, Phrasen noch schöner gestalten, Spaltklänge instrumentieren, Trugschlüsse auflösen.

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Gewinn aus Kultur wird nicht in Euro gemessen

Schön wäre, wenn aus der praktischen Erfahrung Erkenntnisse erwachsen: Kulturpolitik – die, wenn ich recht sehe, in den Wochen des Wahlkampfs überhaupt gar keine Rolle gespielt hat – muss mehr sein, als die jeweils ideologisch eingefärbte Diskussion um die Verteilung der schwindenden Finanzmittel.

Wir Kulturmenschen sind nicht nur dazu da, festliche Rahmen zu gestalten oder für etwas Ablenkung zu sorgen. Es müsste insbesondere die Erkenntnis wachsen, dass die Gewinne, die sich aus der Investition in Kunst und Kultur erzielen lassen, nicht in gleicher Währung ausgezahlt werden. Politik muss lernen, das nicht nur auszuhalten, sondern zu fördern.

Forum Ist das Kunst, kann das weg? – Zeitgemäße Kulturpolitik nach Corona

Marie-Christine Werner diskutiert mit
Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration in Rheinland-Pfalz
Dr. Michael Wimmer, Kulturwissenschaftler und Publizist, Wien
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat, Berlin  mehr...

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In der Kulturpolitik mehr Fagott wagen

Zweifellos haben Sie sich sämtliche Wahlprogramme der Parteien heruntergeladen und insbesondere den Teil mit der „Kultur“ ausführlich studiert. War ja auch recht übersichtlich. Wenn Sie Glasfaserkabel in der Nähe haben, dann laden Sie doch gern mal die Partitur von Beethovens Neunter Symphonie herunter. Da wird viel gejubelt und die ganze Welt geküsst, prima!

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Die schönste Stelle liegt – wie so oft – im Verborgenen. Es handelt sich, Sie ahnen es längst, um Takt 117 mit Auftakt: Bratschen und Celli spielen in schönster Mittellage die berühmte Melodie, aber hören Sie dem Fagott zu! Das macht fast, was es will. Es paraphrasiert die Melodie, mal obenrum, mal untenrum, es schwingt und singt und ist ganz wunderbar und weit mehr als Begleitung.

Ich möchte eine Kulturpolitik, die so viel Freiheit, Schönheit und Zartheit zulässt und ermöglicht, wie sich das Fagott hier nimmt – auch ohne Rambazamba und Renditenberechnung. Ich beende meinen Text, den ich übrigens ganz alleine geschrieben habe, folglich mit der eindringlichen Bitte: Mehr Fagott wagen!

Glosse Komposition studieren in der Krise

„Wenn wir jetzt nicht konkret direkt zeigen, was und wen wir alles verpassen, dann werden wir es vergessen!“, sagt Gordon Kampe und berichtet von den Projekten aus seiner Kompositionsklasse. Manche Studierende hat der Professor bisher nur digital kennengelernt, doch die Musik erzählt von ihrem Menschsein.  mehr...

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