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Zur Vermeidung von Corona-Ansteckungen sollte an Baden-Württembergs Schulen im kommenden Schuljahr in Schulräumen nicht gesungen werden. Nun wurde das generelle Singverbot gekippt.

Susanne Eisenmann (Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg) beim Sportunterricht (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Alexander Keppler)
Die Sportverbände klagten nicht, von den Chorverbänden bekam sie aber Post: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann Alexander Keppler

Entgegen den ursprünglichen Planungen ist das Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten in geschlossenen Räumen an Schulen nach den Sommerferien nun doch erlaubt - unter gewissen Bedingungen. Wie das Kultusministerium am Donnerstag, 3. September, in Stuttgart mitteilte, müsse dabei aber ein Mindestabstand von zwei Metern in alle Richtungen eingehalten werden. Außerdem wird empfohlen, dass zwischen Lehrern und Schülern eine durchsichtige Schutzwand installiert wird, wie in der neuen Corona-Verordnung "über den Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen" steht.

Bleiben verboten: Schulchöre und -orchester

In der Verordnung werden die verschärften Hygieneregeln für den Unterricht formuliert, der Landtag muss sie noch in Kraft setzen. Unter anderem muss demnach regelmäßig gelüftet werden, zudem müssen Instrumente nach dem Unterricht desinfiziert und Einmaltücher benutzt werden.
Den Schulchören und Schulorchestern erteilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hingegen zunächst eine Absage: Wegen der Dynamik des Infektionsgeschehens seien keine jahrgangsübergreifenden Angebote und Aktivitäten zugelassen. Vor den Herbstferien werde die Lage aber erneut bewertet, versprach sie.

"Unterricht in Gesang und mit Blasinstrumenten sowie entsprechende außerunterrichtliche Angebote sind mit folgenden Maßgaben zulässig: 1. Es ist zu gewährleisten, dass (...) keine Personen im direkten Luftstrom einer anderen Person stehen."

Wegen der hohen Infektionsgefahr sollten Gesang und Blasmusik in geschlossenen Räumen an den Schulen nach den Ferien eigentlich verboten bleiben. Chor- und Musikverbände hatten wiederholt gegen dieses Verbot protestiert. Die FDP hatte sogar das Musikland Baden-Württemberg in Gefahr gesehen. Eisenmann hatte daraufhin im Juli bereits angekündigt, Singen in der Schule unter gewissen Bedingungen zu ermöglichen.

Proteste der Chorverbände gegen das Singverbot

Mehr als ein Dutzend kirchlicher und weltlicher Chorverbände in Baden-Württemberg hatten im Juni und Juli gegen die geplanten Corona-Regeln für Schulen nach den Sommerferien protestiert. Das Gesangsverbot in geschlossenen Räumen gefährde die "jahrzehntelang aufgebaute und erfolgreiche chorische Arbeit in den Schulen in Baden-Württemberg existenziell", teilten etwa die Chorverbände am Donnerstag, 16. Juli, mit. In einem gemeinsamen Schreiben hatten sie Kultusministerin Susanne Eisenmann aufgefordert, das Konzept zu überarbeiten, da das gemeinsame Singen in Schulen eine existenzielle Grundlage für die Chorarbeit in Kirchen und Vereinen darstelle.

"Singen in geschlossenen Räumen ist ausgeschlossen, dies gilt auch für die Verwendung von Blasinstrumenten."
"Eine jahrgangsübergreifende Gruppenbildung ist grundsätzlich nicht möglich."

Chorverbände mit Hilfsangeboten

Singen sei als positiver emotionaler und sozialer Effekt auf Kinder und Jugendliche aus dem Schulalltag nicht wegzudenken, so die Verbände. Das pauschale Verbot des Kultusministeriums sei "ebenso erschreckend wie unverständlich".
Die Verbände haben nach eigenen Angaben bereits "gemeinsam mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Freiburger Institut für Musikermedizin" erfolgreiche Hygienekonzepte entwickelt, um Chorproben wieder stattfinden lassen zu können. Daher hatten sie ihre Unterstützung durch die Erfahrung mit den Konzepten und chorischer Arbeit unter Pandemiebedingungen angeboten.

Vor endgültiger Entscheidung

Das Kultusministerium hatte die Kritik zunächst zurückgewiesen. "Singen ohne Abstand geht nicht, da laut einschlägiger Experteneinschätzung beim Singen ein erhöhtes Infektionsrisiko durch die vermehrte Bildung von Aerosolen besteht", hatte eine Sprecherin mitgeteilt. Im Landtag bekräftige Eisenmann dann aber nochmals: "Wir entscheiden analog zum Infektionsgeschehen und gehen Schritt für Schritt voran." Diese Entscheidung ist nun also gefallen - bis zum Herbst.

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