Porträt

Georges Brassens: Zum 100. Geburtstag des weltberühmten Liedermachers

STAND
AUTOR/IN

Am 22. Oktober 2021 wäre der berühmte Chansonnier Georges Brassens 100 Jahre alt geworden, am 29. Oktober jährt sich auch sein 40. Todestag. Seine einzigartige Mischung französischer Sprachpoesie und Gossenjargon, eingängiger Melodien, gesellschaftlich anstößiger Themen, Frivolität und Spott trug zu seiner riesigen Popularität bei.

Audio herunterladen (11,1 MB | MP3)

Aus armen Verhältnissen

Am 22. Oktober 1921 in Sète am Mittelmeer geboren, arbeitete Georges Brassens nach dem Schulabbruch als Lehrling bei den Renault-Werken. Doch der Sohn eines Maurers und kleinen Bauunternehmers – seine Mutter war eine musikliebende Neapolitanerin – verbrachte den größten Teil seiner Freizeit mit dem Studium französischer Dichtkunst.

„Er hat dann, als er in Paris war, Bibliotheken gelesen – die gesamte französische Lyrik rauf und runter – war eigentlich jedes Wochenende auf irgendwelchen Flohmärkten, um für ein paar Groschen irgendwelche zerfledderten, mit Eselsohren garnierten Gedichtbände an Land zu ziehen“, so der Übersetzer und Schriftsteller Gisbert Haefs.

Der Weg zur Musik

In dieser Zeit lebte Brassens in Paris bei seiner Tante, die in ihrer Wohnung ein Klavier hatte. Er habe mehr oder minder permanent an dem Instrument gesessen, so Haefs. So befasste er sich vor allem mit Chansons der 1930er Jahre — besonders Chales Trénet und der Einfluss aus dem Jazz prägten Brassens. Später bekam er eine Gitarre geschenkt. Er transponierte das, was er am Klavier erarbeitet hatte und konnte seine Musik auf diese Weise mitnehmen.

„Brassens ist die Stimme des Anarchisten, mit der plötzlich alle gerne mitmachen möchten. Er singt gegen den Staat, gegen die Armee, gegen die Kirche, gegen die Polizisten. Aber alles mit Witz – sehr subtil, sehr witzig, sprachlich perfekt. Selbst wenn man nicht seiner Meinung war, konnte man es hören und dabei grinsen.“

Brassens' Sarkasmus findet international Anklang

Mit seiner Freiheitsliebe, seiner Ironie und seinem Sarkasmus, mit denen er gesellschaftliche Tabus zur Sprache brachte, erreichte Brassens, der oft mit François Villon verglichen wurde, nicht nur in Frankreich sein Publikum. Über Sprachgrenzen hinweg strahlte sein Einfluss auch auf andere Länder aus, obwohl er außerhalb Frankreichs fast nie aufgetreten war.

In Deutschland, einem Land, in dem das Nazi-Regime die Chanson- und Kabarettliederszene der Zwanziger und frühen 1930er Jahre praktisch ausgelöscht hatte, übte Georges Brassens auf die junge Liedermacherszene der Bundesrepublik einen starken Einfluss aus. Franz-Josef Degenhardts berühmtes Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ wäre ohne das Vorbild Brassens kaum denkbar.

Aber auch Reinhard Mey, Dieter Süverkrüp und der frühe Hannes Wader waren von Brassens beeinflusst. Walter Mossmann, neben Wolf Biermann einer der kreativsten und produktivsten deutschen Liedermacher, verdankt Brassens den „Ton“ seiner frühen Chansons und Balladen – wie etwa im „Lied für meine radikalen Freunde“.

SWR2 Musikstunde Yves Montand zum 100. Geburtstag (1–5)

Ein Mann des 20. Jahrhunderts: Aus Ivo Livi, dem Sohn eines kommunistischen Besenbinders aus der Toscana, wird Yves Montand, der weltberühmte Chansonnier. Aber Montand ist viel mehr als nur diese unwiderstehliche Stimme, in die sich Edith Piaf als erste verliebt hat. Als Schauspieler dreht er mit Romy Schneider, Ingrid Bergman oder Michel Piccoli, als Homme à femmes lässt er sich von Marilyn Monroe verführen, als begnadeter Entertainer und Intellektueller fusioniert er das Chanson mit der großen Poesie von Baudelaire bis Prévert, als politischer Aktivist will er zusammen mit seiner Frau Simone Signoret die Welt verändern.  mehr...

SWR2 Musikstunde SWR2

Texte von aktueller Bedeutung

Am 29. Oktober 1981 starb Georges Brassens im Alter von 60 Jahren an Nierenkrebs. Was heute von ihm bleibt? Die Ballade „Ballade des gens qui sont nés quelque part“' – 'Die Ballade der irgendwo Geborenen', die sich etwas einbilden, egal ob es ein Staat oder Dorf ist – handelt von einem Lokalpatriotismus, der zum Nationalsozialismus wird.

„Einer der schärfsten Texte Brassens! Das ist brandaktuell in einer Zeit, in der Nationalismen überall wieder an der Tagesordnung sind in vielen Ländern“, findet Gisbert Haefs.

Zeitwort 11.10.1963: Edith Piaf wird für tot erklärt

Gestorben ist „der Spatz von Paris“ in Südfrankreich. Um auf dem Totenschein Paris als Sterbeort festzuhalten, wurde der Leichnam heimlich in der Nacht nach Paris gefahren.  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

Musik Frankreichs ESC-Star Barbara Pravi: „Aus dem Nichts berühmt geworden“

Es war ein Riesen-Erfolg: Mit ihrem Chanson „Voilà“ holte Barbara Pravi beim Eurovision Song Contest 2021 den zweiten Platz für Frankreich. Auf einen Schlag ist die 28-jährige Chanson-Sängerin international bekannt mit ihrem Sound, der an die Hochzeiten des französisch-sprachigen Chansons mit Barbara, Jacques Brel, Françoise Hardy und Georges Brassens erinnert.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
AUTOR/IN