STAND

Der griechische Komponist Georges Aperghis erhält die Auszeichnung für ein Leben im Dienste der Musik der Ernst von Siemens Musikstiftung. Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Komponist*innen-Förderpreise 2021 erhalten Malte Giesen, Mirela Ivičević und Yair Klartag.

Der Komponist Georges Aperghis (Porträtbild) (Foto: Pressestelle, Kai Bienert)
Georges Aperghis komponierte immer wieder im Auftrag der Donaueschinger Musiktage und arbeitet unter anderem mit dem SWR Vokalensemble zusammen. Pressestelle Kai Bienert

Eine unverwechselbare Stimme der zeitgenössischen Musik

Die Ernst von Siemens Musikstiftung würdigt ein Lebenswerk, „das quer zu allen Strömungen steht, sich schneller Einordnung widersetzt und das Musiktheater unserer Zeit auf einzigartige Weise erneuert und bereichert hat“, heißt es in der Pressemitteilung. Georges Aperghis sei eine unverwechselbare Stimme unserer Zeit.

Weiterhin betont die Stiftung: „Die Vielfalt und Hintergründigkeit seiner Musik, sein progressiver Umgang mit Sprache [...] wie seine grenzenlose Offenheit gegenüber Bereichen, in die die zeitgenössische Musik sonst kaum vorzudringen vermag“. Die Preisverleihung findet am 17. Februar 2022 in der Münchner Muffathalle statt

Ein Autodidakt

Georges Aperghis wurde am 23. Dezember 1945 in Athen als Sohn eines Bildhauers und einer Malerin geboren. In seiner Jugend konnte er sich zunächst nicht zwischen der Welt der bildenden Kunst und jener der Musik entscheiden, die er im Klavierunterricht bei einem Freund der Familie und über das Radio für sich entdeckte. Komponist wurde er schließlich als Autodidakt.

Im Jahr 1963 ging er nach Paris, wo er bis heute lebt und arbeitet. Dort suchte er musikalisch Anschluss an die prägenden kompositorischen Strömungen der Zeit: an den in Frankreich von Pierre Boulez repräsentierten Serialismus, an die Tonbandexperimente der sogenannten „Musique concrète“, an die mit Klangmassen arbeitende Musik seines in der gleichen Stadt lebenden Landsmannes Iannis Xenakis und an das instrumentale Theater eines Mauricio Kagel.

Georges Aperghis' „Thinking Things“ bei den Donaueschinger Musiktagen 2018

Ab 1970 entwickelte er nach und nach seine unverwechselbare musikalische Sprache. Das kompositorische Schaffen von Aperghis umfasst mehr als 100 Werke, darunter zahlreiche Stücke für Soloinstrumente, nicht selten aber auch für Stimme solo, Kammermusik und Ensemble-Bearbeitungen, seltener Orchesterwerke.

Allen Werken, ob mit Stimme oder rein instrumental ist eines gemein: Die Auseinandersetzung mit Sprache und deren Bedeutung. Was aber von Anfang an und bis heute sein Schaffen prägt, ist die unermüdliche Suche nach einem neuen Musiktheater, welches „Musik aus allem machen“ möchte.

Die Suche nach einem neuen Musiktheater: Das „Atelier Théâtre et Musique“

1976 gründete er mit seiner Frau, der Schauspielerin Edith Scob, sein erstes eigenes Theater: das „Atelier Théâtre et Musique“, genannt ATEM, eine Musiktheater-Werkstatt, die in der sozialen Realität eines Pariser Vororts (Bagnolet) verankert ist. Hier sucht er zugleich nach neuen Relationen von Theater und Musik, von Klängen und Körpern. Stücke wie Avis de Tempête von 2004 verbinden vokale, instrumentale, gestische, narrative und szenische Elemente in einem einzigartigen expressiven Rahmen.

Das Musiktheater von Aperghis zeichnet sich aus durch eine große Offenheit gegenüber dem ganz Anderen, und sei dies eine Maschine oder ein Roboter. Es entsteht häufig im Dialog mit anderen Kunstformen wie Schauspiel, Tanz oder bildender Kunst.

Förderpreis für Malte Giesen

Die drei Komponist*innen-Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung gehen 2021 an den Deutschen Malte Giesen, die in Wien lebende Kroatin Mirela Ivičević sowie an Yair Klartag aus Israel. Die Auszeichnung für vielversprechende junge Komponist*innen ist jeweils mit 35.000 Euro dotiert.

Im Rahmen der Förderung produzieren die jungen Künstler*innen eine individuelle Porträt-CD, die in der Reihe der Ernst von Siemens Musikstiftung beim Wiener Label KAIROS erscheint.

Porträt Georges Aperghis: Preisträger des Ernst von Siemens Musikpreises 2021

Der Ernst von Siemens Musikpreis 2021 geht an Georges Aperghis. Die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung wird dem griechischen Komponisten für sein Lebenswerk verliehen. In der Pressemitteilung heißt es: „Die Vielfalt und Hintergründigkeit seiner Musik, sein progressiver Umgang mit Sprache werden genauso gewürdigt, wie seine grenzenlose Offenheit gegenüber Bereichen, in die die zeitgenössische Musik sonst kaum vorzudringen vermag.“ Leonie Reinecke stellt den Preisträger des Ernst von Siemens Musikpreises 2021 vor.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Auszeichnung Bratschistin Tabea Zimmermann erhält Ernst von Siemens Musikpreis 2020

Mit Tabea Zimmermann werde eine Musikerin geehrt, die ihr tiefes musikalisches Verständnis und ihre bedingungslose Liebe zur Musik mit unermüdlichen Enthusiasmus vermittle, heißt es in der Pressemitteilung. Die hoch renommierte Auszeichnung der internationalen Ernst von Siemens Stiftung ist mit 250.000 Euro dotiert.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
AUTOR/IN