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Im Südwesten „gibt es viele ungeahnte musikalische Schätze“, die es gilt, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Frieder Bernius ist der neue Präsident der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg und hat sich das Ziel gesetzt, „dieses reiche Erbe der Vergangenheit mit dem gegenwärtigen Musikleben zu verbinden“.

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Musikwissenschaftler*innen, Musiker*innen, aber auch Musikliebhaber*innen arbeiten seit 1993 ehrenamtlich daran, das musikalische Erbe des Südwestens zu bewahren. Der Dirigent Frieder Bernius ist eigentlich schon seit Jahrzehnten immer wieder damit beschäftigt, Musik von Komponist*innen aus dem Südwesten auszugraben, herauszugeben und aufzuführen. Jetzt vertritt er sein Anliegen ganz offiziell als neuer Präsident der Gesellschaft für Musikgeschichte Baden-Württemberg.

Das musikalische Erbe des Südwestens in die Gegenwart bringen

Es gebe so viel musikalisches Leben in der Geschichte Baden-Württembergs, wovon die meisten Musikliebhaber*innen nichts ahnten, erzählt Bernius etwas wehmütig im Gespräch mit SWR2. Sein wichtigstes Ziel als neuer Präsident: diese Schätze zum Erklingen zu bringen.

Bernius möchte aber mehr als nur alte Komponist*innen aus der Region einmalig aufführen. Sie sollen in das öffentliche Bewusstsein und in das Musikleben heute integriert werden. Auch Musik, die heute im Südwesten entstehe, sei ein Teil dieser Tradition, so Bernius.

„'Der Schiller und der Hegel, der Uhland und der Hauff, die sind bei uns die Regel, die fallen gar nicht auf.' — Das kann man von den Komponisten des deutschen Südwestens gar nicht sagen.“ 

Frieder Bernius zitiert das Sprichwort aus Württemberg

Komponist*innen aus dem Südwesten — vermeintliche „Kleinmeister“

Aber sind diese Komponist*innen und Musiker*innen bei der Fülle der Größen in der Musikgeschichte so bedeutend? „Weder Bach, Mozart noch Beethoven kommen aus dem Südwesten“, so Bernius. Diese musikalischen Genies seien aber ohne ein Umfeld, das ihnen die richtige Unterstützung geboten hätte, nicht denkbar.

Der Südwesten sei schon lange ein fruchtbarer Boden für Musiker*innen und Komponist*innen gewesen. Mannheim, Stuttgart, Schwetzingen, Karlsruhe und Ludwigsburg waren einmal wichtige Stationen für internationale Komponist*innen.

Viele Fürst*innen hätten immer wieder Persönlichkeiten in die Region eingeladen, wie Niccolò Jommeli aus Süditalien nach Stuttgart oder Johann Wenzel Kalliwoda aus Böhmen nach Donaueschingen. Diese Komponisten seien zwar keine Größen, aber auch keine Kleinmeister — ohne sie sei unsere Musikgeschichte nicht dieselbe.

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