Oliver Röckle (Foto: SWR)

SWR2 Abendkonzert

SWR2 Abendkonzert zum Europatag mit Musik und Musikern aus Russland und der Ukraine

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"Fratres" – Konzert zum Europatag mit Musik aus Russland und Ukraine im Zeichen der kulturellen Bruderschaft der beiden Länder. Robert Neumann versammelt seinen russischen Freund Alexey Stadler und den Ukrainer Aleksey Semenenko zu einem Trio, das Musik aus Russland, Ukraine und Estland präsentiert.

"Dieses Konzert gilt der Bruderschaft und kulturellen Verwandtschaft, die seit jeher zwischen Russland und Ukraine geherrscht hat. Sie aufzubrechen ist einfach töricht und verantwortungslos!" sagt der Pianist Robert Neumann, den SWR2 als New Talent gefördert hat.

Robert Neumann hat Wurzeln in der Republik Moldau, dem direkten Nachbarn der Ukraine. Er spricht fließend Russisch und wuchs selbstverständlich mit der Musik und Kultur Russlands und der Ukraine auf. Für dieses Konzert hat er zwei junge Musikerfreunde eingeladen: den Geiger Aleksey Semenenko aus der Ukraine und den Cellisten Alexey Stadler aus Russland. Die drei spielen Musik aus diesen beiden Ländern - das Motto des Abends stammt von dem estnischen Komponisten Arvo Pärt: "Fratres" - "Brüder".

"Künstler zu sein ersetzt nicht die Verantwortung, ein Bürger zu sein, im Gegenteil."

Alexey Stadler, geboren 1991 in Leningrad (heute St. Petersburg), findet klare Worte zum Invasionskrieg Putins. Bereits zu Beginn des Krieges, stand in der Diskussion, inwieweit Künstler*innen in der Pflicht stehen, sich von dem Machthaber Russlands zu distanzieren. So wurde Ende März Opernstar Anna Netrebko aufgrund mangelnder Kritik an Vladimir Putin von den Osterfestspielen am Festspielhaus Baden-Baden ausgeladen.

Mit blau-gelben Akzenten, im Zeichen der Solidarität zur Ukraine, meldet sich Alexey Stadler auf Instagram zu Wort. Sich hinter Meisterwerken zu verstecken und die Kunst als Ausrede für Passivität zu benutzen, ist keine Option für den Cellisten. Jenes Verhalten diskreditiere und schade vor allem den russischen Werke, welche so schon keinen einfachen Weg vor sich hätten.

In erster Linie sind wir natürlich Musiker [...] aber wir stellen uns der Herausforderung, Stellung zu dieser Sache zu nehmen.

Eine Herausforderung ist das Konzert insofern, als eine berufliche Zukunft in Russland auf dem Spiel steht, sobald Kritik gegenüber Putin geäußert wird. Auf der anderen Seite gibt es Erwartungen von ukrainischen Mitbürgern, die Künstler*innen ungern an der Seite von russischen Künstler*innen sehen, so Robert Neumann im Gespräch mit Malte Hemmerich über das Konzert:

Impressionen von der Probe im Funkstudio des SWR in Stuttgart

Oliver Röckle (Foto: SWR)
Moderatorin Julia Neupert im Gespräch mit Aleksey Semenenko, Robert Neumann und Alexey Stadler (v.l.) Bild in Detailansicht öffnen
Der Cellist Alexey Stadler aus Russland; „Was wir jetzt erleben, ist noch eine viel größere Veränderung als Corona. Unser Frieden und unsere Werte, unser gemeinsames Europa – das ist keine selbstverständliche Sache, sondern tägliche Arbeit.“ Bild in Detailansicht öffnen
Der Geiger Aleksey Semenenko aus der Ukraine; „Die Ukraine schreit jetzt vor Schmerz. Trotzdem spielen wir ein Trio von Schostakowitsch. Wenn wir die ganze russische Kultur boykottieren, dann erzielen wir genau das Gegenteil dessen, was wir wollen. Dann können diejenigen auf der anderen Seite das Ganze für ihre Propaganda und ihre Ziele nutzen. Das wäre eine komplette Verdrehung von Schostakowitschs eigener Botschaft.“ Bild in Detailansicht öffnen
Junge Musiker aus Russland, Deutschland und der Ukraine machen gemeinsam Musik: Aleksey Semenenko (Violine), Alexey Stadler (Violoncello) und Robert Neumann (Klavier) bei der Probe im Funkstudio des SWR, Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Der Pianist Robert Neumann ist in Deutschland geboren und hat Wurzeln in Moldawien. Er hat das Konzert initiiert. „Dieses Konzert gilt der Bruderschaft und kulturellen Verwandtschaft, die seit jeher zwischen Russland und Ukraine geherrscht hat. Sie aufzubrechen ist einfach töricht und verantwortungslos!" Bild in Detailansicht öffnen
Die drei jungen Musiker bei der Probe im Funkstudio des SWR, Stuttgart: Aleksey Semenenko (Violine), Alexey Stadler (Violoncello) und Robert Neumann (Klavier) Bild in Detailansicht öffnen

Programm

Robert Neumann (Klavier)
Aleksey Semenenko (Violine)
Alexey Stadler (Violoncello)
Modest Mussorgskij:
"Das große Tor von Kiew" aus "Bilder einer Ausstellung"
Boris Lyatoshynsky:
Klaviertrio Nr. 2 op. 41
Dmitrij Schostakowitsch:

Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67
Arvo Pärt:
"Fratres"
(Liveübertragung aus dem Funkstudio des SWR, Stuttgart)

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