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Nachdem die Bayreuther Festspiele 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgefallen waren, stand lange auf der Kippe, ob sie 2021 stattfinden können. Nun findet das traditionsträchtige Festival zwischen 25. Juli und 25. August unter strengen Hygiene-Auflagen und mit einem Ring-Projekt draußen statt.

Richard-Wagner-Festspielhaus auf dem Grünen Hügel, Bayreuth. (Foto: Imago, imageBROKER/GünterxGräfenhain)
Die 900. zugelassenen Zuschauer*innen müssen entweder eine abgeschlossene Corona-Impfung, eine Genesung oder einen negativen Test vorlegen können. Imago imageBROKER/GünterxGräfenhain

Ein ausgefeiltes Hygiene-Konzept

Wegen der Corona-Pandemie sind statt der üblichen rund 2.000 Gäste nur 911 Zuschauer*innen erlaubt — und das ist noch nicht alles. Es soll keinen roten Teppich geben und keinen Staatsempfang nach der Premiere. Ob Festspiel-Stammgast Angela Merkel (CDU) zur Eröffnung kommt, ist noch unklar.

Ein weiteres Novum in der Festspiel-Geschichte: Der berühmte
Bayreuther Chor soll nicht live im Festspielhaus singen, sondern von einer anderen Bühne aus eingespielt werden. So versprechen sich die Festspiele weniger Gefahr durch Aerosole. Damit das nicht so stark auffällt, sollen nicht-singende Komparsen den Chor auf der Bühne vertreten.

Programm der Festspiele 2021

Zur Eröffnung mit Wagners „Der fliegende Holländer“ steht mit Oksana Lyniv erstmals eine Frau im berüchtigten Bayreuther Orchestergraben am Pult. Die Regie führt der russische Theaterregisseur Dmitri Tschernjakow.

Neben der Neuproduktion „Der fliegende Holländer“ soll es Wiederaufnahmen der Produktionen von „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Tannhäuser“ sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm geben.

Andris Nelsons wird wieder bei den Bayreuther Festspielen dirigieren

Einer der Höhepunkte: Der lettische Star-Dirigent Andris Nelsons kehrt auf den Grünen Hügel zurück. Er soll zwei Konzerte im Bayreuther Festspielhaus dirigieren. Für dieses Jahr konnte Festspiel-Chefin Katharina Wagner außerdem den gefeierten Wagner-Tenor Stephen Gould, der von 2015 bis 2019 den „Tristan“ bei den Festspielen sang, für ihr Herzensprojekt, die Kinderoper, gewinnen.

Rahmenprogramm zum Ring des Nibelungen: „Ring 20:21“

Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, werden weitere Programmpunkte draußen stattfinden. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Outdoor-Intermezzo am Festspielteich in Tobias Kratzers „Tannhäuser" 2019 wird der Weiher am Fuße des Grünen Hügels auch 2021 wieder zum Schauplatz.

Im vergangenen Jahr sollte eine Neuinszenierung von Richard Wagners vierteiligem „Ring des Nibelungen" in Bayreuth auf die Bühne kommen. Das Projekt wurde wegen Corona aber auf 2022 vertagt. Als eine Art Ersatz dafür soll es zu jeder der vier „Ring“-Opern ein Open-Air-Projekt geben.

Nikolaus Habjan hat das „Rheingold“ übernommen, „Blutkünstler“ Hermann Nitsch die „Walküre“. Der US-amerikanische Regisseur Jay Scheib präsentiert ein Multimedia-Projekt zum „Siegfried“ und die japanische Künstlerin Chiharu Shiota ein Kunstwerk zur „Götterdämmerung“.

Die Folgen der Pandemie bringen die Festspiele in finanzielle Schwierigkeiten

Normalerweise bestreiten die Festspiele nach Angaben von Ex-Geschäftsführer Holger von Berg, der seinen Posten im April für den neu ernannten Ulrich Jagels geräumt hat, den laufenden Betrieb zu 65 Prozent aus Einnahmen.

Rund 15 Millionen Euro fehlten 2020, weil die Richard-Wagner-Festspiele wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten. Auch in diesem Jahr werden voraussichtlich viele Einnahmen fehlen. Das werden die Gesellschafter — die Bundesrepublik, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth — ausgleichen müssen.

Bayreuth

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