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Prominente russische Musiker*innen, darunter auch Evgeny Kissin, haben eine politische Videobotschaft veröffentlicht. Darin setzen sie sich für Meinungsfreiheit und Demokratie in ihrem Land ein. „Lassen Sie Alexej Nawalny und ALLE politischen Gefangenen sofort frei!" so Kissin in dem Video.

Evgeny Kissin in München, Philharmonie im Gasteig, 2015 (Foto: Imago, IMAGO / Michel Neumeister)
Im Jahr 2009 äußerte sich Kissin zum ersten Mal politisch: Er kritisierte die Israel-Berichterstattung von der BBC. Der Pianist ist ansonsten sehr selten in der Öffentlichkeit politisch aktiv. Imago IMAGO / Michel Neumeister

Offener Brief an die russische Führung: „Am Vorabend des Bürgerkriegs“

Die bekannten Musiker*innen aus Russland lesen in der Videobotschaft einen offenen Brief an die russische Führung vor. Der Brief steht unter der Überschrift „Offener Brief von Musikern am Vorabend des Bürgerkriegs in Russland“.

Darin äußern sie ihren Unmut über mutmaßliche politische Morde sowie den Einsatz von Chemiewaffen und Repressalien gegenüber Oppositionspolitiker*innen, Journalist*innen sowie weiteren Andersdenkenden.

„Stoppt den Terror!“ — Musiker*innen empört über undemokratische Politik Russlands

Zwar seien klassische Musiker*innen auch dafür bekannt, sich aus politischen Debatten rauszuhalten, man könne aber nicht gleichgültig zusehen wenn gegen demokratisches Recht verstoßen werde, so die Musiker*innen im Video. „Stoppt den Terror! Lassen Sie Alexei Nawalny und ALLE politischen Gefangenen sofort frei!“ fordert Evgeny Kissin in dem Video.

„Brutale Übergriffe auf friedliche, unbewaffnete Menschen, folterähnliche Haftbedingungen und in einigen Fällen die direkte Folter von Häftlingen sowie völliger Mangel an öffentlicher Kontrolle über den Strafverfolgungsapparat — das ist die monströse Realität, in der sich Russland im 21. Jahrhundert befindet. Der kalte Bürgerkrieg, den der Staat gegen den denkenden, gebildeten und nicht gleichgültigen Teil der Gesellschaft entfesselt hat, ist dabei in sein heißes Stadium überzugehen, wenn nicht bereits übergegangen.“

Auszug aus dem offenen Brief von Musiker*innen aus Russland

Der Pianist Evgeny Kissin wurde 1971 in Moskau geboren und begann schon mit zwei Jahren Klavier zu spielen. 1987 gab er unter der Leitung von Valery Gergiev sein Debüt beim London Symphony Orchestra und wurde ein Jahr später mit seiner Aufführung von Peter Tschaikowskys 1. Klavierkonzert unter Herbert von Karajan in Berlin weltweit bekannt.

Der Grammy-Preisträger wurde mit bedeutenden Ehrungen und mehreren Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. Für seinen überragenden Beitrag zur russischen Kultur erhielt er den Triumph-Preis, eine der höchsten kulturellen Auszeichnungen der Russischen Föderation.

Stuttgart

Festival Für die Freiheit: Das ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart und „Voices from Belarus”

Neue Musik für die Freiheit: Das „ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart“ engagiert sich in diesem Jahr politisch und ehrt Maria Kalesnikava – die Ikone der Demokratiebewegung in Belarus.  mehr...

Kunscht! SWR Fernsehen

ECLAT Festival Maria Kalesnikava: Menschenrechtspreis für die Musikerin und Aktivistin

Maria Kalesnikava ist Musikerin. Und eine Ikone der Widerstandbewegung in Belarus: Einer Abschiebung aus ihrem Heimatland widersetzte sie sich, zerriss ihren Pass und sitzt nun in Haft. Am Sonntag wird der Flötistin und politischen Quereinsteigerin in Stuttgart – in Abwesenheit – der Menschenrechtspreis der „Gerhart und Renate Baum-Stiftung“ verliehen. Martina Seeber berichtet, wie es dazu kam  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Gespräch FDP-Politiker Gerhart Baum: Maria Kalesnikava ist eine große Freiheitskämpferin

„Als Verbeugung vor dem Mut und der Kompromisslosigkeit einer Kämpferin“ wird Maria Kalesnikava am 7. Februar beim Stuttgarter Festival für Neue Musik ECLAT mit dem Menschenrechtspreis der Gerhart und Renate Baum -Stiftung ausgezeichnet. Kalesnikava habe in Belarus eine ähnliche Bedeutung wie Alexej Nawalny in Russland, so der FDP-Politiker und Preisstifter Gerhart Baum in SWR2.
Beide, Kalesnikava wie Nawalny, versuchten in ihrem Heimatland direkt auf Veränderungen hinzuwirken. Beide seien in Haft und damit Opfer staatlicher Willkür, insbesondere von Wladimir Putin, denn ohne die Unterstützung des russischen Staatspräsidenten, so Baum, hätte sich auch der belarussische Machthaber Lukaschenko nicht im Amt halten können.
Kalesnikava werde in der Haft drangsaliert und gedemütigt, berichtet Baum. Dies wisse man von ihrer Schwester, die den Menschenrechtspreis für die Aktivistin in Stuttgart entgegennehmen wird. So sei Kalesnikava gedroht worden, sie werde das Gefängnis nie wieder verlassen. Sie sei dabei immer eine Freiheitskämpferin gewesen, so Gerhart Baum, und habe versucht, gerade mit kulturellen Projekten mehr Freiheit durchzusetzen.
Kalesnikava hat in Stuttgart ihr Studium als Flötistin abgeschlossen und später dort auch u.a. für das Musikfestival ECLAT gearbeitet. Seit September 2020 befindet sie sich in Untersuchungshaft in Belarus.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch „Das Streben nach Freiheit kann einen hier die Stelle kosten“ - belarussische Komponistin Elena Gutina

„Das Streben nach Freiheit kann einen hier die Stelle kosten“, sagt die belarussische Komponistin Elena Gutina. Im SWR2 Musikgespräch berichtet sie, wie auch Künstler und Kulturinstitutionen in die Proteste in Belarus involviert sind – mit Manifesten, Flash-Mobs oder konzertanten Aktionen. Elena Gutina ist in Minsk geboren und hat die berühmte belarussische staatliche Musikakademie besucht. Nach ihren Abschlüssen in Klavier und Komposition studierte sie unter anderem zwei Jahre Filmmusik in Freiburg. Mittlerweile ist sie wieder in Minsk, komponiert für Film und Theater und initiiert Musikprojekte. Über die aktuelle politische Situation in ihrer Heimat und die zunehmend gefährdete Freiheit der Kunst hat sich Malte Hemmerich mit ihr unterhalten.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Forum Showdown mit Putin — Kann Nawalny Russland verändern?

Michael Risel diskutiert mit
Dr. Jan C. Behrends, Historiker, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Gesine Dornblüth, freie Journalistin
Rüdiger von Fritsch, bis 2019 Botschafter in Moskau  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Putin-Freunde Nawalny schlägt EU Einreiseverbot für Dirigent Valery Gergiev vor

Nach dem Willen von Kreml-Kritiker Navalny könnte der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker Valerij Gergiev bald sein Amt nicht mehr ausüben. Grund ist seine Nähe zu Russlands Präsident Vladimir Putin.  mehr...

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