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Nach dem Willen von Kreml-Kritiker Nawalny könnte der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker Valery Gergiev bald sein Amt nicht mehr ausüben. Grund ist seine Nähe zu Russlands Präsident Vladimir Putin.

Russlands Verteidigungsminister Sergei Shoigu, Russlands Präsident Wladimir Putin und Dirigent Valery Gergiev (Foto: Imago,  ITAR-TASS)
Valery Gergiev (r.), hier zusammen mit Russlands Verteidigungsminister Sergei Shoigu und Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Militärausstellung, steht seit 2014 offen an der Seite Putins, als er mit anderen Kulturschaffenden zusammen Putins Krimannexion rechtfertigte. Imago ITAR-TASS

Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny hat der Europäischen Union vorgeschlagen, dem Dirigenten und Putin-Vertrauten Valery Gergiev die Einreise in die EU-Länder zu verbieten. In einem Interview mit der Bild-Zeitung am 7. Oktober, fordert er, Menschen wie Gergiev unter Druck zu setzen, damit sie sich von Putin abwenden. Zugleich bezeichnet Nawalny, der sich in Berlin von einem Nervengiftanschlag erholt, Gergiev als heuchlerisch, wenn er zugleich Putin unterstütze, aber lieber im Westen lebe.
Nawalny wurde im August Opfer eines Giftanschlages, in den russische Funktionäre verwickelt sein sollen.

"Herr Gergiev wird zwar nicht versuchen, mich mit Nowitschok zu vergiften, aber er unterstützt alles, was Putin macht. Menschen wie er müssen mit Einreisesperren belegt werden und wissen Sie was: 99 Prozent aller Russen werden das begrüßen."

Alexej Nawalny gegenüber BILD

Gergiev seit 2015 Chefdirigent in München

Der 67-jährige Gergiev ist seit 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, seit 1996 Intendant am Mariinski-Theater Sankt Petersburg und weltweit ein gefragter Dirigent. In Deutschland steht er immer wieder in der Kritik für seine Haltung gegenüber Homosexuellen. So kam es im Vorfeld der Bayreuther Festspiele 2019 am Internationalen Tag gegen Homophobie zu einer Demonstration gegen seine Beschäftigung bei den Festspielen.
Auch in München gab es vor einigen Jahren Proteste gegen seine Berufung als Chefdirigent, unter anderem von der Wählerinitiative „Rosa Liste“, die auch im Münchner Stadtrat vertreten ist.

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