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Sigune von Osten, eine der bedeutendsten Sängerinnen der Neuen Musik, ist am am 8. Juli 2021 gestorben. Mit „Aria“ von John Cage gelang der Sopranistin und Komponistin 1973 der Durchbruch ihrer internationalen Karriere. Sie arbeitete mit Luigi Nono, Krzysztof Penderecki und Olivier Messiaen zusammen und war eine unermüdliche Netzwerkerin der zeitgenössischen Musik. Fast 25 Jahre lang gestaltete sie das Festival „PARKMUSIK“ in einem alten Klostergut in Rheinland-Pfalz, auf dem sie auch selbst lebte.

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Sigune von Osten suchte früh den Kontakt zu zeitgenössischen Komponist*innen. Sie wurde deren Inspirationsquelle und so entstanden mehr als 100 Uraufführungen, viele Werke davon eigens für ihre Stimme geschrieben. Doch am Anfang stieß Sigune von Osten nicht immer auf Verständnis.

„Jeder hat zu mir gesagt: Du, mit Deiner Stimme, wieso machst Du neue Musik? Als ich anfing mit der Aria von Cage, da war das völlig ungewöhnlich, dass man da zehn verschiedene Stimmen singt und in dieser Schnelligkeit wechselt.“

Mit „Aria“ von John Cage gelang Sigune von Osten 1973 bei den Tagen der neuen Musik in Hannover der Durchbruch zur internationalen Karriere. Danach führte sie die Aria fast auf der ganzen Welt auf.

„Alle Erwartungen übertroffen“

Im Anschluss arbeitete sie sie mit zeitgenössischen Komponisten Luigi Nono, Giancinto Scelsi, Krystof Penderecki und Olivier Messiaen. Nach den Proben für sein Stück „Harawi. Chant d’amour et de mort“ 1987 sagte Messiaen, Sigune von Osten habe alle Erwartungen übertroffen und zählte sie fortan zu seinen bevorzugten Interpretinnen.

Netzwerkerin für neue Musik

Doch von osten gab nicht nur den Werken anderer eine Stimme, sondern komponierte selbst, war eine unermüdliche Netzwerkerin für neue Musik und realisierte beeindruckende Großprojekte. Mit John Cages „MusiCircus“ brachte sie in Ludwigshafen und Heidelberg in riesigen musiktheatralischen Happenings Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammen. Und Sigune von Osten bespielte den Deutschen Pavillon bei der EXPO in Shanghai 2010.

Eigenes Festival in familiärer Atmosphäre

Außerdem organisierte sie fast 25 Jahre lang ein eigenes kleines Festival für neue Musik die Parkmusik bei sich zu Hause, auf einem ehemaligen Klosterhofgut, dem Trombacher Hof bei Bad Münster am Stein. Sie lud Junge Musikerinnen und Musiker auf den Hof ein, um ihnen ein Sprungbrett zu bieten und ein Stammpublikum, dass die familiäre Atmosphäre zu schätzen wusste.

Auf diesem Hof, der weit abgelegen von großen Metropolen ein kleines Epizentrum für Neue Musik war, ist Sigune von Osten am vergangenen Donnerstag gestorben. Wie alt sie wurde ist nicht genau bekannt. Da hat sie ein Geheimnis draus gemacht. Sicher ist, es war viel zu früh, denn die Kulturwelt verliert eine Frau, die nicht nur eine phantastische Künstlerin war, sondern mutig Projekte anging und andere Menschen zu begeistern wusste.

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