Gespräch

Gerald Mertens über ein Jahr Lockdown: Entsetzen bei der Deutschen Orchestervereinigung

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„Mein Eindruck ist, dass die Kultur im Kabinett am Katzentisch sitzt“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung DOV – „und ich würde mir am Katzentisch mehr Tiger wünschen." Im Gespräch mit SWR2 blickt er zurück auf ein Jahr Lockdown und dessen Auswirkungen auf die deutsche Orchesterlandschaft.

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Die dramatische Gemengelage sei angesiedelt zwischen Existenznot der Freischaffenden und Frust der Festangestellten. Und das auch deshalb, so Mertens, weil die meisten flammenden Appelle der Musiker*innen, aber auch der Kulturpolitiker*innen bei den Entscheidungsträgern von Wirtschaft und Politik weiterhin ungehört blieben.

Auch Kultur-Politiker finden zu wenig Gehör

„Ich bin entsetzt, wie wenig auf uns als Lobbyverband, der an sich gut organisiert ist, reagiert wird. Ich merke aber auch, dass die Kulturminister in den Kabinetten nicht die Durchschlagskraft haben, wie z.B. Wirtschaftsverbände.“

Mertens kritisiert die politische Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Studien zur Aerosolausbreitung in Konzerthäusern und Theatern, beklagt mangelndes Mitspracherecht in der öffentlichen Debatte und hinterfragt selbstkritisch, wie Berufsverbände wie die DOV künftig ihre Relevanz überzeugender nach außen tragen können.

Geschlechterverteilung in Orchestern Studie: Weniger Frauen als Männer in leitenden Orchester-Positionen

Orchestermusikerinnen machen deutlich seltener Karriere als ihre männlichen Kollegen. Das ergab eine am 2. März in Bonn veröffentlichte Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (miz). In den 129 öffentlich finanzierten deutschen Orchestern seien durchschnittlich vier von zehn Stellen mit Frauen besetzt, heißt es in der Orchestererhebung „Am Pult der Zeit!?“. Je höher jedoch die Dienstposition und das Renommee des Orchesters, desto niedriger sei der Anteil der Musikerinnen.  mehr...

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