Coronafolgen

Deutschlands Dirigenten kritisieren Corona-Regelungen mit Bordell-Vergleich

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Konzert- und Opernhäuser haben in den vergangenen Wochen angekündigt, mit einem reduzierten Platzangebot wieder zu starten. Gegen diese unwirtschaftliche Praxis wenden sich nun zahlreiche Dirigent*innen.

 Erzgebirgischen Philharmonie nach Lockdown mit erstem Konzert  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Fotostand / Dostmann)
Die neue unwirtschaftliche Realität: Ausverkauft - mit 50 Besucher*innen! Wie hier beim ersten Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie in Aue nach dem Lockdown Fotostand / Dostmann

Chefdirigent*innen und Generalmusikdirektoren (GMDs) aus ganz Deutschland drängen auf eine baldige Öffnung der Konzert- und Opernhäuser. Die verschiedenen Standards für Wirtschaft und Kultur seien nicht mehr tragbar, beklagen die Dirigent*innen. Trotz der vorliegenden Konzepte zum Schutz gegen die Corona-Pandemie werde weiterhin eine wirtschaftlich sinnvolle Belegung der Säle verweigert, wie sie in Nachbarländern praktiziert werde, so die GMD- und Chefdirigent*innenkonferenz am Dienstag, 30. Juni, in Dresden in einer Erklärung unter dem Titel "Bordell ja, Bohème nein?"

"Ein täglicher Schlag ins Gesicht aller Kulturschaffenden ist der Blick in die Corona Verordnungslage und deren Umsetzung: Volle Flüge und Züge ja, Friseurbesuche ohne Abstand ja, volle Strände ja, am Ende gar Wiederaufnahme des Bordellbetriebs, volle Theater und Konzertsäle auf und vor der Bühne nein."

Kurzarbeit statt Spielbetrieb

Die Kultur leide unter der Bürokratie, in der Wirtschaft bestimme dagegen häufig die jeweilige Lobby, erklärten die Dirigent*innen. Die Existenz vieler freischaffender Künstler liege in Scherben. Viel zu viele Soloselbständige seien auf Arbeitslosengeld angewiesen. Vielerorts werde die Krise genutzt, um Vertragsbedingungen für Gastkünstler zu verschlechtern, bemängelt die Dirigentenorganisation.
Absurd sei zudem der Zwang vieler Theater und Orchester, lieber Kurzarbeit zu beantragen, als zu spielen. Das Spielen müsse nun wieder Vorrang haben, so das Gremium, dem 65 Chefdirigent*innen und GMDs des deutschsprachigen Raums angehören.

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SWR