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Im Alter von 81 Jahren ist der portugiesische Fado-Sänger Carlos do Carmo gestorben. Die Nachricht von seinem Tod machte die portugiesische Regierung öffentlich. Der Verstorbene galt als „Stimme Lissabons“ und war einer der besten Sänger des Fado, einem von Melancholie und Sehnsucht geprägten Musikstil aus Portugal, der auch zum immateriellen Weltkulturerbe gehört.

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Große Wirkung über Portugal hinaus

2014 war der fadista do Carmo für sein Gesamtwerk mit einem Latin Grammy Award ausgezeichnet worden. Er war auf den großen Bühnen der Welt aufgetreten, etwa im Olympia in Paris, in der Royal Albert Hall in London und in der Frankfurter Oper. Einem europäischen Publikum wurde Carlos do Carmo durch seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 1976 für Portugal bekannt, außerdem durch spätere Fado-Klassiker wie „Lisboa menina e moça“.

Während der Zeit des faschistischen Estado Novo gehörte Carlos do Carmo zu den Künstler*innen, die sich nicht mit dem Regime arrangierten. Aus dieser Zeit verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Literaturnobelpreisträger José Saramago.

Neue Impulse für einen traditionellen Musikstil

Von Purist*innen wurde do Carmos Stil teilweise als Entfremdung von der Tradition kritisiert, trotzdem begeisterte sein „Fado novo“ viele Hörer*innen, darunter auch den späteren UN-Generalsekretär António Guterres. Der Sänger beeinflusste maßgeblich die nachkommenden Generationen der Fado-Szene mit Sänger*innen wie Ana Moura, Mariza und Carminho. Do Carmo war auch im hohen Alter noch an Crossover-Projekten mit anderen portugiesischen Künstler*innen beteiligt, wie bei dem elektronischen Beat-Fado-Album „Bairro da Ponte“.

Abschied von der Bühne im Jahr 2019

Kurz vor seinem 80. Geburtstag verabschiedete sich Carlos do Carmo im November 2019 mit zwei ausverkauften Abschiedskonzerten von der Bühne.

Ein Land trauert um den Mann „mit Samt in der Stimme“

Die portugiesische Regierung unter António Costa erklärte, dass die Nachricht vom Tod do Carmos mit „extremer Bestürzung“ und „tiefer Trauer“ aufgenommen worden sei. Für den 4. Januar wurde eine eintägige Staatstrauer verkündet.

Jazz „Close to me“, jazziger Fado von Maria Mendes

Maria Mendes interpretiert Klassiker aus Portugal auf ihrer neuen CD. Sie nutzt ihre Stimme wie ein Instrument und gibt dem traditionellen Fado eine individuelle Note.  mehr...

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Fado „Pura Vida“ mit Mísia

Der Fado, dieser ganz spezielle portugiesische Gesang vom großen Weltschmerz und der Sehnsucht nach besseren Zeiten, gehört seit dem Jahr 2011 zum immateriellen Weltkulturerbe. Mísia, 1955 in Porto geboren, erweist sich erneut als Impulsgeberin der Fado-Szene. Sie zeigt auf ihrer aktuellen CD „Pura Vida“ große künstlerische Freiheiten in der Textwahl und im Arrangement.  mehr...

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SWR2 MusikGlobal Ana Moura – Die Königin des Fado

Ana Moura ist derzeit die unbestrittene Königin des portugiesischen Fado. Im Jahr 2010 erhielt sie den "Globe de Ouro" als beste Sängerin Portugals. Die stimmungsvolle, melancholische Musik des ursprünglichen Fado erweitert Ana Moura auch durch fantasievolle Eigenkompositionen. Dabei arbeitete sie mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen, den Rolling Stones, Herbie Hancock, Joni Mitchell oder Omara Portuando. Im Laufe diesen Jahres erscheint ihr neues Album.  mehr...

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