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Die CD ist für die Meisten nach wie vor der häufigste Weg, klassische Musik zu erwerben. Dennoch werden zunehmend kostenpflichtige Streaming-Dienste im Internet genutzt, die sich auf klassische Musik spezialisiert haben. Auch Musiker*innen haben Interesse daran, ihre Interpretationen selbstständig und unabhängig im Internet anzubieten.

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Historische und aktuelle Konzertaufnahmen von unterschiedlichen Ensembles und Künstler*innen gibt es seit vielen Jahren massig, kostenlos und jederzeit verfügbar auf Youtube. Eigentlich hatten sich die User*innen im Netz an diese Gratiskultur gewöhnt — trotzdem etabliert sich Musik-Streaming zunehmend als Geldquelle und professioneller Vertriebsweg auch von klassischer Musik.

Die Dienste bieten Qualität, Exklusivität und kuratierte Playlisten

Neben den allgemeinen Musik-Streaming-Plattformen wie Spotify, Deezer und Co. gibt es inzwischen spezialisierte Dienste nur für Klassik. Dort kann es zum Beispiel nicht vorkommen, dass die Nutzer*innen nach einer Goldberg-Variation von Electro-Beats aufgeschreckt werden. Außerdem bieten diese Dienste sorgfältig kuratierte Musiklisten, Content zu der angebotenen Musik sowie eine Suchfunktion, die auf spezielle Gegebenheiten der Klassik („Nr." oder „No.", „minor", „Moll") angepasst ist.

Die größte und bekannteste dieser Platformen ist Idagio, mit mehr als 1,8 Millionen App-Downloads weltweit. Im November letzten Jahres hat das Unternehmen eine Freemium-Version eingeführt. Dazu gibt es zwei weitere kostenpflichtige Premium-Angebote. Das Berliner Unternehmen ergänzt das Musik-Angebot mit Live Video-Talks mit Künstler*innen und weiteren Formate der Musikvermittlung. Idagio bezahlt Rechteinhaber*innen über ein Fair Artist Payout Model, das pro Nutzer*in und gehörter Sekunde abrechnet.

Klaus Mäkelä returns to #IDAGIOLive today for "Thursdays with Thomas" at 13:00 New York / 19:00 Berlin. Tune in to enjoy his real-time conversation with Thomas Hampson[...]

Die Naxos Music Library (NML) richtet sich vordergründig an Bildungseinrichtungen oder Klassik-Professionelle. Alpha Play und takt1 bieten und kuratieren Musik für Klassikhörer*innen. Aber nicht immer läuft es gut: Der Streamingdienst Gramofy musste Ende Oktober 2019 schließen.

Today https://t.co/jKfLv8wUdi closed its virtual doors. Five years ago we set out to make classical music more accessible, music streaming fairer and to bridge on-demand streaming and radio. Now we’ve reached the end of our journey. Thank you for your ongoing support! https://t.co/rN9R1YX6yr

„Unser Anspruch ist, die gesamte für Audiostreaming verfügbar gemachte Klassik von den Labels zu lizensieren. Das geht aber auch soweit, dass wir mit Labels darüber sprechen: Ihr habt ja diese Aufnahmen, die nicht mehr verfügbar sind, weil eine physische Distribution nicht mehr rentabel ist. Aber für Streaming ist es durchaus sehr interessant. Und das ist der große Vorteil, dass wir letztlich ohne Kosten den ganzen Content verfügbar machen können.“

Auch für einzelne Musiker*innen ist der Weg, ihre Musik durch Streaming zu vertreiben, eine attraktive Möglichkeit. Sie können das Angebot selbstständig gestalten und machen sich unabhängig von Labels und anderen Vertriebspartnern. So können Fans von Julia Fischer kostenpflichtig ihrem JF Club (Julia Fischer Club) beitreten und Videos sowie Streams von ihren Auftritten in höchster Qualität sehen. Für die persönliche Note lädt die Geigerin die Mitglieder des Clubs zu Probenbesuchen ein.

„Ich mache da keine Selfies oder Self-Videos. Ich drücke auch nicht einfach auf Record vor einer Probe und schwafele 30 Sekunden irgendwas Dämliches rein, nur um gesagt zu haben: Jetzt habe ich mal wieder was Persönliches da hingestellt.“

Die Künstler*innen können sich mit eigenen Streaming-Platformen mehr Unabhängigkeit erarbeiten, die Streaming-Platformen können besondere Raritäten in ihre Bibliotheken aufnehmen und die Nutzer*innen sind bereit, für gute Qualität und kuratierte Inhalte zu bezahlen. Eine gute Entwicklung für ein Medium, das traditionell eher mit Piraterie assoziiert wird.

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