Musikthema

Die Mandoline in der Neuen Musik

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AUTOR/IN
Michael Rebhahn

Die Neue Musik hat eigentlich ein großes Herz, was die Verwendung seltener oder außergewöhnlicher Instrumente angeht: Von der Kontrabassklarinette, über das Theremin bis hin zu Schlaginstrumenten aus den entlegensten Winkeln der Welt ist alles vertreten. Die Mandoline allerdings ist ein wirklich seltener Gast in den Klangwelten der Avantgarde.

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Caterina Lichtenberg: Mandolinen-Professorin

Im Kammermusiksaal der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Wuppertal, probt Caterina Lichtenberg mit zwei Studentinnen. Ein Duo für Mandoline und Gitarre des japanischen Komponisten Yasuo Kuwahara soll wettbewerbsreif werden. Caterina Lichtenberg bekleidet an der Hochschule eine Professur für Mandoline – die einzige weltweit. Eigentlich kaum zu glauben, mit Blick auf die reiche Tradition und die inzwischen weltweite Verbreitung, die dieses Instrument für sich in Anspruch nehmen kann.

Mondschein, Gondolieri und verliebte Serenaden — an Klischees ist mit Blick auf die Mandoline absolut kein Mangel. Sie gilt als klein und putzig, als irgendwie zu heiß gewaschene Laute, der nicht gerade der Ruf eines sonderlich raffinierten Instruments vorauseilt. Dabei taucht sie im 17. Jahrhundert genau so auf: als Instrument der musikalisch Gebildeten, bestes geeignet zum kunstreichen Musizieren im kleinen Kreis.

Das Auf und Ab der Mandoline

Scarlatti, Vivaldi, Pergolesi, Mozart, Beethoven: sie alle haben für die Mandoline komponiert. Danach, etwa ab den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts ist erst einmal Schluss. Die Mandoline verschwindet weitgehend aus dem Musikleben, taucht aber um die Jahrhundertwende wieder auf: als »Farbe« in der Sinfonik der Spätromantik.

Gustav Mahlers Verwendung der Mandoline hatte ihre Wirkung. Mahlers »Erben«, die Komponisten der Zweiten Wiener Schule — allen voran Arnold Schönberg —, hatten ein gewisses Faible für das Instrument.

Die Mandolien im 20. Jahrhundert

Mandoline und Gitarre sind in Arnold Schönbergs Serenade aus dem Jahr 1923 die Mittler zwischen zwei Extremen: zwischen der zwölftönigen Organisation und einem gewissen »Volkston«, den Schönberg ganz bewusst wählt: die Mandoline als »Charakterdarsteller«.

Aber auch dieses Mandolinencomeback blieb eine Episode, und im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts wird das Instrument immer mehr zum kompositorischen special interest.

Hauptsache Spaß am Musizieren

1962 schrieb der italienische Komponist Goffredo Petrassi eines der wenigen Stücke Neuer Musik mit Mandolinenbeteiligung. Aber woran liegt es, dass das Instrument in der Avantgarde so wenig vertreten ist? Sicher hat es damit zu tun, dass die Mandoline im 20. Jahrhundert mit einer ganz anderen musikalischen Sphäre in Verbindung gebracht wird; denn, bei aller Professionalisierung, darf eines nicht vergessen werden: Das Instrument wird zu einem wesentlichen Teil von Laien gespielt und auch rezipiert. Im Vordergrund steht hier der Spaß am Musizieren; die Schaffung eines ästhetisch anspruchsvollen Repertoires ist da eher Nebensache.

Die Mandoline, ein Instrument, das es— noch immer — zu entdecken und zu entwickeln gilt. Es gibt viel Potenzial — und noch einiges zu tun, bis die Mandoline auch in der Neuen Musik ihren Platz findet.

Die Mandoline – Instrument des Jahres 2023

Die Mandoline ist Instrument des Jahres 2023. Sie ist ein „Brückeninstrument“ zwischen der Volks- und der Kunstmusik. Das Besondere ist: Man kann praktisch (fast) jede Musik auf ihr darstellen und lehren!

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Michael Rebhahn