Medien-Tipp

Die Digitale Welt der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

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AUTOR/IN
Valentin Stötzer

Wie können Online-Angebote einen neuen oder anderen Zugang zu sinfonischer Musik bieten? Im Zuge der Pandemie sind im digitalen Raum einige Kulturangebote entstanden, die als Ersatz für einen Konzertbesuch dienten, aber vielleicht auch darüber hinausweisen. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen hat gleich mehrere Projekte auf ihrer Website. Die Angebote sollen interaktiv sein und einen neuen Zugang zur symphonischen Musik aufzeigen, so der Musikjournalist Valentin Stötzer.

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Staatsphilharmonie 100

Ich bin gerade auf der Website der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz um mir die digitalen Angebote anzusehen. Anstatt einer Festschrift zur Hundertjahrfeier hat die Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eine digitale Chronik online gestellt.

Wenn ich an meinem Mausrad drehe, fliege ich durch die Geschichte – vom Gründungskonzert des Orchesters 1920 bis zu Utopien, wie wohl das Jahr 2120 aussieht.

Ich sehe eine Schellackplatte, die sich auf einem Koffergrammofon dreht. Es ist der früheste, noch erhaltene Tonträger des Orchesters aus den 20er Jahren. Der erste Generalmusikdirektor Ernst Boehe dirigiert aus Richard Wagners Tannhäuser den „Einzug der Gäste“.

Vom Pfalzorchester zum Landessymphonieorchester Westmark

Das Orchester heißt zu dieser Zeit noch Pfalzorchester und ich lese, dass es in der Zeit des Nationalsozialismus mehrfach umbenannt wurde. Im Kriegsjahr 1941 spielt es dann als „Landessymphonieorchester Westmark“ unter anderem Frontkonzerte. Im August 1944 dann die Stilllegung sämtlicher deutscher Kulturorchester durch das Propagandaministerium.

Mein Mausrad bringt mich in der digitalen Chronik zu einem Interview mit dem ehemaligen Bratschisten Gerd Thusek. Er war seit den 70er Jahren Orchestermitglied, erzählt aber von den Nachkriegsjahren, wo so viele Gebäude in Ludwigshafen zerstört waren, dass das Orchester mangels Alternativen im Rheingoldkino spielen musste. Ich versuche, mir das vorzustellen und scrolle in die Zukunft.

Perspektive 360 Grad Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (Foto: Pressestelle, Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz)
Michael Francis, Chefdirigent der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz Pressestelle Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

360-Grad-Kamera und 3D-Audio

Wie können Online-Orte für sinfonische Musik aussehen? Das Projekt Perspektive 360 beantwortet diese Frage mit den Möglichkeiten einer 360-Grad-Kamera und mit 3D-Audio. Als würde ich zwischen Orchester und dem Chefdirigenten Michael Francis stehen, kann ich mich umschauen, indem ich mit der Maus das Video nach links oder rechts ziehe.

Zusätzlich zu der 360-Grad-Kamera kann ich zu vier anderen Perspektiven von Kleinstkameras im Orchester hinspringen: Bratsche, Posaune, Snare Drum und Klavier.

Digitales Konzept macht Lust auf mehr

Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz hat mehr digitale Angebote als andere Konzerthäuser und ich finde, es lohnt sich, die anzusehen. Die beiden Projekte „digitale Chronik“ und „Perspektive 360“ habe ich am Rechner sitzend mit Kopfhörern angesehen und angehört.

Das digitale Konzept der Staatsphilharmonie geht für mich auf, denn währenddessen habe ich Lust bekommen, im Konzertsaal zu sein und vielleicht bei einem Probenbesuch in Ludwigshafen zuzuhören.

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