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Auch mit 106 Jahren sitzt die Pariser Pianistin Colette Maze jeden Tag mehrere Stunden an ihrem Flügel – und perfektioniert ihr breites Repertoire. Claude Debussy widmet sie jetzt ihr mittlerweile sechstes CD-Album, das im April erscheinen wird.

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Wenn Colette Maze die Tasten berührt, sieht das Klavierspiel für einen Moment ganz einfach aus. Ihre Finger gleiten von Ton zu Ton. Dabei erfordert diese spielerische Leichtigkeit jahrelange Übung. Auch mit 106 Jahren gelingen der Pariser Pianistin schwierige Läufe über mehrere Oktaven mit weicher Hand und expressiver Eleganz. Ihr Geheimnis liegt in der Technik.

„Ich mache mit der Hand ein paar Umdrehungen. Dann visiere ich die Tasten an. Und spiele – immer – stärker. Danach: Ruhe. Nach der Anstrengung ist es wichtig, die Hand zu entspannen.“

Colette Maze

Und dann gibt es da noch ein anderes Geheimnis, neben drei Eiern und einem Glas Wein täglich: jede Menge Übung. Bis zu vier Stunden sitzt Colette Maze am Flügel in ihrer Wohnung, fünf Fußminuten vom Eiffelturm entfernt.

YouTube-Video: Colette Maze spielt am Flügel in ihrer Pariser Wohnung

Schülerin der Pianisten-Legende Alfred Cortot

Colette Maze ist fünfzehn Jahre alt, als ihre Eltern sie an der Musikhochschule von Paris einschreiben. Dort lernt sie in den 1930er Jahren in der Klasse von Alfred Cortot – seiner Zeit einer der bedeutendsten Klaviermeister in Frankreich.

„Alfred Cortot war sehr erfinderisch. Seine Methode war neuartig. Es ging ihm nicht nur ums Klavierspielen. Er veranlasste das Konservatorium dazu, dass alle Schüler Yoga machen.“

Colette Maze

Zweiter Weltkrieg durchkreuzt Ambitionen

Doch nach der Hochschule wird aus einer Karriere als Pianistin erst einmal nichts. Der Zweite Weltkrieg durchkreuzt die Ambitionen der Pariserin. Während der deutschen Besetzung Frankreichs arbeitet sie im Lazarett.

Erst einige Jahre später kehrt sie an die Tasten zurück. Am Konservatorium begleitet sie Tanzklassen am Klavier. Sie verschreibt sich schnell der romantischen und impressionistischen Musik. In ihr findet sie all die Subjektivität wieder, die sie bei Alfred Cortot gelernt hat.

Neues Projekt mit 70 Jahren: das eigene Repertoire aufnehmen

Jahrzehnte lang bringt Maze jungen Talenten die Cortot-Spielweise bei. Erst mit über 70 Jahren ist Schluss. Gemeinsam mit ihrem Sohn Fabrice widmet sich die Grande Dame einem neuen Projekt: Sie nimmt ihr Repertoire auf. Album um Album entsteht.

Auf ihrer letzten Veröffentlichung von 2019 widmet sie sich ganz den französischen Klaviermeistern des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Claude Debussys Poesie, Maurice Ravels Explosivität und das Geheimnisvolle Erik Saties vereint sie auf ihrem fünften Album.

Mit 70 Jahren beginnt Colette Maze ihr Repertoire aufzunehmen: Album um Album entsteht. (Foto: Luis Jachmann)
Mit 70 Jahren beginnt Colette Maze ihr Repertoire aufzunehmen: Album um Album entsteht. Luis Jachmann

Tipps für Studierende der Pariser Musikhochschule – trotz Corona

Jetzt, während ihres 107. Lebensjahres, stellt eine Pandemie das Leben vieler Menschen auf den Kopf – nicht so für Colette Maze: Auch im sehr hohen Alter empfängt sie weiterhin Studierende der Pariser Musikhochschule. Vor Prüfungen holen sie sich wertvolle Ratschläge von der Altmeisterin ab.

„Ich habe nie Verspannungen, nie Schmerzen in den Fingern – und das verdanke ich der Cortot-Technik. Aber sie wird nicht mehr unterrichtet. Die jetzige Generation bringt Virtuosen am Klavier hervor. Technisch betrachtet können sie alles am Klavier, aber es fehlt Ihnen am gewissen Etwas, an Gefühl.“

Colette Maze

Und mit 106 Jahren hat sich die Pariserin noch einen Wunsch erfüllt: Für ihr sechstes Album hat Colette Maze alle wichtigen Klavierstücke von Debussy neu aufgenommen. Im April soll das dreiteilige Album erscheinen – kurz vor ihrem 107. Geburtstag.

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