Brüggemanns Klassikwoche

Der Bundestagswahlkampf und die Kultur: Die Geschichte einer Entfremdung

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Politik, Bundestagswahlkampf und die Kultur: Sie werden keine Freunde mehr. Politiker*innen laufen derzeit nicht mehr über die roten Teppiche der Klassikfestivals, und sie beantworten auch kaum Fragen zur Kulturpolitik. Theater und Orchester kommen auf Wahlplakaten nicht vor. Es ist die Geschichte einer Entfremdung, wie SWR2-Kolumnist Axel Brüggemann meint.

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Es begann mit der Corona-Krise

Nein, irgendwie werden sie derzeit keine Freunde: die Politik, der Bundestagswahlkampf und die Kultur. Begonnen hat die Entfremdung spätestens mit der Corona-Krise.

Plötzlich schienen Politiker*innen, die in Bayreuth, Salzburg und Berlin normalerweise gern über die roten Klassikteppiche flanieren, abgetaucht zu sein. Hilfe für freie Ensembles oder Soloselbständige Künstler*innen? „Klar, … äh, irgendwie schon … Mal sehen …“ Und dann passierte lange erst Mal nichts.

Die Entfremdung geht weiter: Wer den „Wahlomat" ausfüllt – das beklagte jüngst der Deutsche Kulturrat – dem wird KEINE Frage zur Kultur gestellt. Weder in den „Triells“ noch auf den Wahlplakaten kommen Theater, Orchester, Konzerte oder Opern vor.

Die Parteien und die Kultur

Klar, es gibt sie, die Kulturschaffenden, die sich bekennen. Aber die Grünen sind bislang die einzige Partei, die den alten SPD-Schulterschluss (wir erinnern uns an Willy Brand und Günter Grass) mit der Kultur neu auflegen: Bela B., Wolfgang Niedecken, Judith Holofernes, Sven Regener und aus der Klassik Igor Levit trommeln für die Partei.

Die kulturpolitische Bilanz der Grünen fällt ja auch eher durchwachsen aus.: Wo sie regieren, wird die Hochkultur oft zusammengespart – aber für freie Künstler*innen fordert die Partei im neuen Programm Mindesthonorare.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters von der CDU hat - nach langem Zögern – zwar Millionen-Notprogramme für die Kultur aufgelegt, von denen bei den Kulturschaffenden aber nur wenig angekommen ist. SPD und LINKE fordern ebenfalls Mindesthonorare, die Linke will zudem die Bundeszuschüsse für die Künstlersozialkasse öffnen.

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Kulturpolitische Themen gäbe es

Man muss sich all diese Pläne mühsam zusammensuchen. Themen gäbe es – neben der Absicherung von Künstler*innen – genug: Wie steht es um die Rolle der Rundfunkorchester, die durch Beiträge gesichert werden?

Und das Stadttheatersystem: Bekommt es auch nach der Corona-Krise eine Bestandsgarantie? Oder wird – wie so oft – als erstes an der Klassik gespart, so wie in Nürnberg, wo der Bau einer neuen Philharmonie bereits jetzt auf Grund von Corona-Kosten auf Eis gelegt wurde?

Wenn nichts anderes hilft: Galgenhumor

Vielleicht hilft am Ende nur Schmunzeln – welche Partei könnte für welche Oper stehen? Würde Rossinis „La Cenerentola“ nicht zu Annalena Baerbock passen: Sie sucht den richtigen Prinzen, und gleichzeitig trällert sie Arien, die Rossini von sich abgeschrieben hat?

Und Armin Laschet – passt für ihn, der die Nachfolge von Angela Merkel antreten will, nicht die Geschichte von Idomeneo und dem geopferten Sohn? Für die FDP fällt mir aus irgendeinem Grund Hofnarr Christian-„Rigoletto“-Lindner ein.

Und, klar: Einen blasseren Opernhelden als den „Zauberflöten“-Tamino gibt es in der Musikgeschichte wohl kaum – aber am Ende ist ausgerechnet er der Sieger im Kampf um den siebenfachen Sonnenkreis – ein Role-Model für Olaf Scholz und seine SPD?

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