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Vielfarbig sind die Klänge auf dem Debüt-Album „Ravel & Chausson“ des Trio Machiavelli. Die drei Musiker, Claire Huangci (Klavier), Solenne Païdassi (Violine) und Tristan Cornut (Cello) spielen Maurice Ravels Klaviertrio in a-Moll und, zusammen mit dem Bratschisten Adrien Boisseau, das Streichquartett in A-Dur von Ernest Amedee Chausson.

Sehr leise, pianissimo, eröffnet Maurice Ravel sein Klaviertrio in klagend-melancholischem Moll. Wenig später setzen Geige und Cello auf filigrane Weise ein, während das Klavier vollgriffige Akkorde spielt – was man aber kaum hört, da sich das musikalische Geschehen immer noch im geheimnisvollen Flüsterton abspielt.

Die Musiker*innen nehmen den Notentext vom ersten Takt an sehr ernst und entwickelt einen clair-obscur-Charakter, eine Als-Ob-Stimmung und eine Vagheit, die kaum vorausahnen lässt, dass rund eine Minute später ein erster energischer Ausbruch erfolgt, bevor sich die Atmosphäre abermals wandelt.

Das Trio Machiavelli besteht neben Pianistin Claire Huangci aus der französischen Geigerin Solenne Païdassi (die neue Konzertmeisterin beim Brüsseler Nationalorchester) und aus Tristan Cornut (dem Solocellisten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen).

Licht und Schatten

Den drei Musiker*innen gelingt es, den Hörer auch die Schatten spüren zu lassen, die Ravel immer wieder in sein Klaviertrio eingearbeitet hat. „Assez vif“, also ein schnelles Tempo, ist im zweiten Satz gefordert, beginnend im Klavier mit kurzen Staccato-Lauten und mit gezupften Tönen bei den Streichern – wie das Plinkern kleiner Lichter im Dunkel. Zunächst entwickelt sich aus dem leisen Beginn ein großer Sog, dessen mehrfaches Anlaufnehmen an Ravels Orchesterwerk „La Valse“ erinnert. Doch dieses Scherzo ist nicht einseitig hell, sondern offenbart auch zwielichtige Seiten, mit kurzen Aufschreien, beißenden Harmonien und Abbiegungen in völlig neue Klangregionen.

Dieses Scherzo aus dem Klaviertrio von Maurice Ravel zeigt, wie weit das Trio Machiavelli zu gehen bereit ist. Trotzdem gibt es, etwa im dritten Satz, auch Abschnitte, bei denen man sich wünschen würde, die drei Musiker*innen würden noch weiter gehen und das Existenzielle noch eindringlicher einfangen. Das Zusammenspiel funktioniert tadellos, und vor allem Claire Huangci kann am Klavier mit ihren rasch und leicht geperlten Läufen überzeugen, das Trio insgesamt mit hoher Präzision und einer Plötzlichkeit, die aus kleinsten Funken rasch großes Feuer entstehen lässt.

Präzision Sorgfalt in der Linienführung und auch etwas Sentiment

Neben dem Ravel-Trio enthält die CD auch das Klavierquartett von Ernest Chausson, eines seiner letzten Werke, geschrieben im Jahr 1897. Verstärkt hat sich das Trio Machiavelli mit dem Bratscher Adrien Boisseau, der bis 2017 Mitglied im Quatuor Ébène war.

Ausgeglichenheit dominiert auch hier, besonders im Finale, dem längsten Satz in Chaussons Klavierquartett. Was auf den ersten Eindruck hin wie eine Mischung aus Marsch, eleganter Melodik und störender Nervosität wirkt, servieren die Interpret*innen nicht als beliebiges Material, sondern gießen es in eine Form, die die jeweiligen Momente gut voneinander unterscheidbar macht. Sentiment ist gestattet, driftet aber nie ins Seichte ab. Sorgfalt in der Linienführung und in der musikalisch-dialogischen Ausformung dominieren bis zum Schlussakkord.

Das Klavierquartett von Ernest Chausson, das mit dem Klaviertrio von Maurice Ravel auf einer CD des Trio Machiavelli veröffentlicht worden ist. Eine große Bandbreite an Ausdrucksformen, Homogenität und Wandlungsfähigkeit des Ensembles geben Hoffnung zu der Annahme, dass wir künftig weitere spannende Projekte erwarten dürfen. Erschienen ist die Produktion bei Berlin Classics.

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