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Lange war nicht klar, was mit der Orgel im Hans-Rosbaud-Studio des SWR in Baden-Baden passieren soll, wenn das baufällige Studiogebäude abgerissen wird. Doch jetzt wird sie für den Transport in ein neues Zuhause in Zell am See in Österreich bereit gemacht. Philipp Pelster, Referent für Kirchenmusik der Erzdiözese Salzburg betreut den Abbau und erzählt von der Geschichte und den Besonderheiten der Pfeifenorgel aus dem Jahr 1969.

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Der 60er Jahre-Look und -Klang

Mit ihrem geometrisch-minimalistischen Aussehen, den ungewöhnlichen Baumaterialien und den musikalischen Besonderheiten lag die Rosbaud-Orgel früher ganz im Trend der Zeit, so Philipp Pelster. Als sie Ende der 1960er Jahre in der Werkstatt von Wolfgang Scherpf in Speyer gebaut wurde, galt im Orgelbau und in der Musik generell eine neobarocke Klangästhetik. Die Klänge der Barockzeit sollten wieder zum Leben erweckt werden: nur auf einer übersteigerten, glänzender Art, passend zum Stil der Zeit.

Entsprechend wurden beim Bau des Instruments auch kaum klassische Materialien verwendet. Statt Filz kam Schaumstoff zum Einsatz. Die Stimmung erfolgt nach angelsächsischer bzw. amerikanischer Art und kann ganz leicht umgestellt werden. Sie sei also auch mit der Absicht gebaut worden, Anforderungen der Neuen Musik zu genügen, so Pelster im Gespräch.

Das neue Zuhause in Zell am See

Ein halbes Jahrhundert befand sich die Orgel im Hans-Rosbaud-Studio in Baden-Baden. Vor allem in den 1970er Jahren wurde sie von bedeutenden Interpret*innen gespielt und war oft im Radio zu hören. In den letzten 20 Jahren war es aber etwas still um das Instrument geworden. In ihrem neuen Zuhause in Österreich wird die Pfeifenorgel aber wieder regelmäßig zum Einsatz kommen. Dort werde schon länger ein neues Instrument benötigt. Ein glücklicher Zufall ist auch die Architektur: Die 60er Jahre Orgel passe optisch perfekt zur Kirche, die im gleichen Stile gebaut worden sei, erzählt Philipp Pelster.

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