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Die Corona-Pandemie hat für die Chormusik im deutschsprachigen Raum einer Studie zufolge massive negative Folgen. Von der Krise werde sich das Chor-Leben lange nicht erholen, erklärten die Forscher*innen unter Leitung der Eichstätter Professorin für Musikwissenschaft Katrin Schlemmer. 

Wandelkonzerte der Hochschulchoere in Essen-Werden. (Foto: Imago, IMAGO / Rupert Oberhäuser)
Die Befragung wurde im März 2021 durchgeführt. Imago IMAGO / Rupert Oberhäuser

Nachhaltige Folgen durch die Corona-Pandemie

Fast 60 Prozent aller befragten Ensembles erwarten, dass sie auch in der Zeit nach der Pandemie nicht mehr in früherer Besetzungsstärke weiterarbeiten werden. 15 Prozent befürchten sogar einen deutlichen Rückgang des Interesses von Sänger*innen durch die lange Zwangspause. An der Umfrage haben 4.300 Chöre in Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen.

Besondere Sorge bereiten Schlemmer den Angaben zufolge Nachwuchs-Chöre. Diese seien ohnehin schon einer größeren Fluktuation als Chöre mit erwachsenen Mitgliedern ausgesetzt. „Sie sind gegenüber Unterbrechungen besonders anfällig“, sagte Schlemmer. Von mehr als 580 befragten Kinder- und Jugendchören ist fast jeder achte nicht mehr existent.

Proben auf Abstand erreichen wenige

Trotz kreativer Ideen wie digitaler Proben, Singen im Freien oder in größeren Räumen werde nur ein kleiner Teil der Ensembles erreicht, hieß es. Gleichzeitig seien die Proben mit einem enormen Aufwand verbunden. Die Auswertung ergab auch, dass die Chöre wegen der stark reduzierten Proben und Auftritte mit einer nachlassenden Qualität rechnen. Lediglich im Bereich „Zusammenhalt“ sehen die Chöre noch positive Aspekte.

Konzertausfälle sorgen für finanzielle Schwierigkeiten

Die finanzielle Situation beurteilt laut Studie jeder dritte Chor als eher oder sehr unsicher, da unter anderem Konzerterlöse fehlen. Viele Chöre würden voraussichtlich ihre oft freiberuflichen Leiter*innen nicht mehr finanzieren können.

Laut Umfrage wünschen sich die teilnehmenden Chöre daher Hilfe bei der Finanzierung von Schnelltests oder Unterstützung bei den Honoraren für die Dirigent*innen, Zuschüsse für Notenmaterial oder eine Ausfallversicherung bei Konzerten.

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