STAND

Das Coronavirus breitet sich immer noch weiter aus. Der klassische Musikbetrieb in Deutschland und anderen Ländern ist stillgelegt. Die Folgen betreffen Besucher*innen und vor allem Musiker*innen.

 Hinweisschild an der Wiener Staatsoper (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Robert Jaeger)
Ob Berlin, München oder Wien: Alle Opernhäuser sind für das Publikum geschlossen, um die Virusausbreitung zu verlangsamen. Robert Jaeger

Spendenaufruf für freischaffende Musiker*innen

Die Deutsche Orchester-Stiftung startet eine bundesweite Spendenkampagne zugunsten freischaffender Berufsmusiker*innen. Da fast alle Orchester, Chöre und öffentlichen und privaten Musikveranstalter in Deutschland und Europa ihren Betrieb eingestellt haben, sei die Lage freiberuflicher Musiker*innen dramatisch, so Gerald Mertens, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung. „Sie verlieren für die kommenden Monate ihre Lebensgrundlage. Sie haben keine Lohnfortzahlung. Keine Auftritte, kein Unterrichten, kein Geld. Viele stehen vor dem sozialen Aus.“ Daher bittet die Orchester-Stiftung um Solidarität für die freiberuflichen Musiker*innen in Deutschland und ruft auf ihrer Webseite zu Spenden auf.

Konzertverband erwartet Milliardenschaden durch Corona-Pandemie

Nach Schätzungen des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) werden die Absagen von Großveranstaltungen zu einem Milliarden-Schaden führen. Der Verband kalkuliert, dass in der Zeit von März bis Mai rund 80.000 Veranstaltungen abgesagt werden müssen. "Diese Krise wird den Veranstaltungsmarkt in Deutschland erheblich reduzieren", warnte BDKV-Präsident Jens Michow. Da keine Versicherungen greifen, forderte sein Verband bereits Ende Februar ein Hilfsprogramm von der Politik.

Umfrage zur Auswirkung des Coronavirus auf das Musikleben

Der Deutsche Musikrat ruft alle im Musikleben Tätigen auf, sich an einer Umfrage zu den Auswirkungen des Coronavirus zu beteiligen. Vordergründig gelte es dabei herauszufinden, ob und wie die Ausbreitung des Virus die Arbeit beschränke und welche Auswirkungen das wirtschaftlich bedeute. Nur mit konkreten Zahlen zu Umsatzeinbußen und Verdienstausfällen freischaffender Musiker*innen würden klare Forderungen an die Politik gestellt werden können. Die Teilnahme an der Umfrage ist bis zum 31. März möglich.

Forderung nach Notfallfonds für freischaffende Musiker*innen

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) begrüßt die Forderung des Deutschen Kulturrats zur Einrichtung eines Notfallfonds für Künstler*innen. Während Opernschließungen für Festangestellte mit Lohnfortzahlungen unproblematisch seien, drohe vielen Freischaffenden "echte Existenznot". Vor allem Konzertabsagen in der Passions- und Osterzeit führten zu erheblichen Honorarausfällen. Notfallzahlungen für Betroffene sollten über die Künstlersozialkasse abgewickelt werden, fordert die DOV am 11. März.

Bariton Michael Volle ärgert sich über Medienpräsenz

Der nicht erkrankte Opernsänger Michael Volle hat sich aus seiner Quarantäne per Instagram geäußert: "z. Zt. bin ich in den Medien viel präsenter wg. der Quarantäne als wg. meinem Beruf. Was anfangs spannend und neu war, ist jetzt vermehrt ärgerlich, auch weil durch falsche Infos Unruhe entsteht, bis hin zu Verunsicherung z.B. in der Schule unserer Kinder." Am 12. März wird seine Quarantäre enden.

Nationaltheater Mannheim und Staatstheater Karlsruhe machen sich kleiner

Auch Baden-Württemberg will nun Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen verbieten, wie Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am 10. März ankündigte. Das Nationaltheater Mannheim und das Badische Staatstheater Karlsruhe stellen sich entsprechend auf das Verbot ein. Beide Häuser werden daher nicht mehr alle Plätze ihres Hauses in den Verkauf geben, um unter der empfohlenen Höchstgrenze zu bleiben. Das private Festspielhaus in Baden-Baden will den Erlass des Ministeriums abwarten und dann erst reagieren.

In Bayern nur noch Geisteropern auf Basis eines Online-Spielplans

In Bayern bleiben alle staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser coronavirusbedingt ab morgen, 11. März, bis zum 19. April geschlossen. Die Bayerische Staatsoper will während der Schließung ausgewählte Stücke trotzdem auf die Bühne bringen - als sogenannte Geisteropern vor leeren Rängen. Zuschauer könnten die Aufführungen dann per Live-Stream übers Internet verfolgen. Zudem wird gerade ein Online-Spielplan erstellt. Einzelne Opern sollen dann kostenpflichtig per Video-on-Demand angeboten werden.

Österreich schließt auch die Wiener Staatsoper

Konzerthaus Wien (Foto: Konzerthaus Wien / Rupert Steiner)
"Das betrifft natürlich alle Veranstaltungen bei uns." (Eine Sprecherin des Konzerthaus Wien zum Veranstaltungsverbot der österreichischen Regierung) Konzerthaus Wien / Rupert Steiner

Nachdem die österreichische Regierung verkündete, dass Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit über 100 Gästen bis Anfang April untersagt werden, erklärte die Wiener Staatsoper am 10. März: "Aufgrund der heute bekanntgewordenen Entscheidung der österreichischen Bundesregierung werden ab dem heutigen Tag sämtliche Vorstellungen und Veranstaltungen der Wiener Staatsoper bis vorläufig Ende März abgesagt." Das Verbot betrifft natürlich auch alle anderen Kulturveranstalter Österreichs.

Oper Frankfurt hält mit mehr Hygiene alles am laufen

Bei der Oper Frankfurt sollen bis auf weiteres alle Veranstaltungen wie geplant stattfinden. Die Situation werde aber mit den zuständigen Behörden täglich neu beurteilt, teilte die Oper am 10. März mit. Zudem werde mit kürzeren Reinigungsintervallen und zusätzlichen Desinfektionsmittel-Spendern vorgebeugt. Dies gelte sowohl für den Zuschauer- als auch für den Backstage-Bereich, denn "sowohl Zuschauer*innen als auch Mitarbeiter*innen sind zu schützen."

Kein Deutschlandkonzert, da in Russland Quarantäne droht

Der für heute abend, 10. März, in der Philharmonie Essen geplante Klavierabend mit der ukrainischstämmigen Pianistin Valentina Lisitsa (46) wird verlegt. Als Grund nannte der Veranstalter, dass der Künstlerin in ihrer Wahlheimat Russland eine zweiwöchige Quarantäne drohe, wenn sie aus Deutschland zurückkehre. Russland fürchtet die Verbreitung des Virus durch Reisende aus Deutschland.

Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises verschoben

Die GEMA hat "nach sorgfältiger Abwägung und unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden" die Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises 2020 am 12. März in Berlin abgesagt. Damit bleiben auch die noch unbekannten Preisträger weiterhin ungenannt. Ein Ersatztermin soll in Kürze bekannt gegeben werden.

Opernsänger Michael Volle in Quarantäne

(v.l.): Michael Volle (Herr Fluth), Rene Pape (Sir John Falstaff). (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Eventpress Hoensch)
Derzeit in häuslicher Quarantäne: Michael Volle (links). Mit seinem Kollegen René Pape (rechts) war er in dieser Spielzeit in "Die lustigen Weiber von Windsor" an der Berliner Staatsoper zu erleben. Eventpress Hoensch

Bariton Michael Volle (59) steht noch bis zum 12. März zu Hause in Kleinmachnow bei Berlin unter Quarantäne. Anfang Februar hatte er an der Mailänder Scala für "Salome" geprobt und war dort in Kontakt mit einem Kollegen, der nun positiv getestet wurde. Nach einer E-Mail-Info von der Scala wandte er sich an sein örtliches Gesundheitsamt. Dieses verhängte trotz negativem Corona-Test eine zweiwöchige Quarantäne gegen ihn und seine Familie: "Wir wissen nicht, was kommt, das ist kein gutes Gefühl."

Sokolov und Pollini sitzen in Italien fest

Die für Montag, 9. März, geplanten Klavierkonzerte in der Hamburger Elbphilharmonie mit Maurizio Pollini und in der Berliner Philharmonie mit Grigory Sokolov fallen aus. Beide Klavierstars befinden sich derzeit in Norditalien und können aufgrund der Reisebeschränkungen das Land nicht verlassen. Das Konzert mit Sokolov am vergangenen Donnerstag, 5. März, in der Stuttgarter Liederhalle war aus dem selben Grund entfallen. Die Sokolov-Konzerte wurden auf Juni 2020 verschoben, das Pollini-Konzert gleich auf Mai 2021.

Stuttgarter Bachwoche 2020 abgesagt

Am kommenden Freitag, 13. März, hätte die Stuttgarter Bachwoche beginnen sollen. Sie wurde nun von der veranstaltenden Bachakademie Stuttgart abgesagt. Die Gesundheit des Publikums, der Künstler und Mitarbeiter habe Priorität, sagte die geschäftsführende Intendantin Katrin Zagrosek am Montag, 9. März. Lediglich die "Stunde der Kirchenmusik" soll in der Stuttgarter Stiftskirche stattfinden.

Bürgerforum zur Stuttgarter Opernsanierung verschoben

Aus Angst zahlreicher Teilnehmer vor dem Coronavirus wurde das für Freitag, 6. März, geplante Bürgerforum zur Sanierung des Stuttgarter Opernhauses verschoben. "Es hat sich fast die Hälfte der 40 zufällig ausgewählten Bürger (...) aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Virus abgemeldet," so ein Sprecher der baden-württembergischen Landesregierung. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. Für eine Bürgerinitiative biete die Verschiebung nun die Chance, das Beteiligungsverfahren in der Zwischenzeit grundlegend zu verbessern.

Konzerte ohne Publikum in Venedigs La Fenice

Innenansicht, Teatro La Fenice, Venedig (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Sabine Lubenow)
Bleibt trotz Aufführung leer: Venedigs Teatro La Fenice Sabine Lubenow

Das Teatro La Fenice wird zwei geplante Konzerte am Montag, 2. März, und Dienstag, 3. März, ohne Publikum aufführen. Die Konzerte mit dem Dafne Streichquartett und ein Gedenkkonzert werden stattdessen auf dem Youtube-Kanal des Opernhauses live gestreamt. "Wenn das Publikum nicht zu uns kommen kann, werden wir versuchen, zum Publikum zu kommen", so der Leiter des Opernhauses.

In Mailand hört die Musik nicht auf: #Lamusicanonsiferma!

Die Musiker des Mailänder Sinfonieorchesters Giuseppe Verdi sind derzeit zur Untätigkeit gezwungen, da keine öffentlichen Konzerte stattfinden dürfen. Sie stellten sich die Frage, wie sie ihr Auditorium erreichen. Ihre Antwort: Sie treten in leeren Sälen auf und stellen Videoaufnahmen davon ins Netz unter dem Titel: Die Stadt braucht Musik.

Kein Currentzis-Konzert in Luzern

Die Anordnungen der Schweizer Behörden, Veranstaltungen in der Schweiz mit mehr als 1.000 Teilnehmern zu untersagen, trifft nun auch das SWR Symphonieorchester. Das für heute, 2. März, geplante Konzert mit Teodor Currentzis im Kultur- und Kongresszentrum Luzern wurde abgesagt. Der Konzertsaal bietet bis zu 1900 Besuchern Platz.

Klavier statt eventuell ansteckendem Orchester

Das Orchester des Luzerner Theaters tourte vor wenigen Tagen noch in Norditalien. Die ausverkaufte Aufführung von Strauss' Oper Salome am Samstag, 29. Februar, fand daher in Luzern ohne Orchester statt. Die Ansteckungsgefahr durch Orchestermitglieder war dem Theater zu groß. Stattdessen wurde die Oper mit Klavierbegleitung bestritten. Der anwesende Theaterverein Basel berichtet auf seiner Facebookseite von einem "einmaligen Theatererlebnis" dank des "Einsatzes einer beherzten Pianistin".

Konzertveranstalter fürchten Einbußen wegen Coronavirus

Angesichts der coronabedingten Absagen von Konzertveranstaltungen in Norditalien und der Schweiz zeigen sich Konzert- und Tourneeveranstalter in Deutschland besorgt. Wie der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) am Freitag, 28. Februar, mitteilte, bedroht die mögliche Absage von Veranstaltungen die Existenz vieler Unternehmen der Branche. Der Verband appellierte an die Behörden, Absagen nur nach Einzelfallprüfung und bei konkreter Gefährdungslage anzuordnen.

Opernhaus Zürich verkleinert sich

Die Schweizer Regierung hat am Freitag, 28. Februar, wegen der Coronavirus-Epidemie alle Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern bis zum 15. März untersagt. Das Opernhaus Zürich mit seinen gut 1200 Plätzen reduziert daher die Anzahl erlaubter Besucher bei seinen Vorstellungen auf 900. Seinen für den 14. März geplanten Opernball wurde aber abgesagt.

STAND
AUTOR/IN