Album-Tipp

„Pastorale“ - Dorothee Oberlingers Weihnachts-Album mit Dorothee Mields und Matthias Brandt

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Manuel Brug
Manuel Brug (Foto: Pressestelle, Claudius Pflug)

Weihnachts-CDs sind eine heikle Sache, man möchte nicht immer dasselbe hören, aber vertraut soll es schon klingen. Dorothee Oberlinger hat mit ihren Gästen Matthias Brandt und Dorothee Mields für ihr Ensemble 1700 eine schöne Lösung gefunden. „Pastorale“ feiert den bäuerlichen Piffari-Zauber der römischen Weihnacht – auch mit Corellis Weihnachts-Hit.

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Matthias Brandt liest aus dem Italienischen Bilderbuch von Fanny Lewald

Matthias Brandt liest aus dem „Italienischen Bilderbuch“ der emanzipatorischen Reiseschriftstellerin Fanny Lewald über die römische Christnacht. Hier waren die Hirten eben nicht mehr auf dem Feld, sondern zogen in die Stadt, um nach altem Brauch in der Adventszeit die Ankunft des Heilands zu verkünden.

Und mit Klängen von Dudelsack, Drehleier, der Piffaro-Flöte und der Fiedel, gespielt von dem Ensemble Le Piffari e le Muse, eröffnet auch Dorothee Oberlinger mit ihrem Lesegast Brandt ihre aktuelle Weihnachts-Doppel-CD bei der deutschen harmonia mundi. Die da heißt „Pastorale“.

Corelli Weihnachtskonzert Pastorale

Deshalb ertönt natürlich hier auch die allerberühmteste der Weihnachtsmusiken, das Concerto grosso g-moll op. 6 Nr. 8 „Fatto per la Notte di Natale“. Dessen abschließende Pastorale eben diese folkloristischen Hirtenmusiken aufnimmt und veredelt. Ein Christmas-Hit seit langem, der vergessen macht, dass der einst so erfolgreiche Barockkomponist Arcangelo Corelli mit diesem und anderen concerti grossi die Gattung miterfunden hat.

Braucht es von einem so populären Werk eine Neueinspielung? Natürlich, wenn sie so zart und federnd, so leuchtend und lupenrein interpretiert wird wie von der blockflötenden Dorothee Oberlinger und ihrem Ensemble 1700. Darüber hinaus hat sie das Werk allerdings in einen sinnfälligen, auf zwei CDs verteilten Kontext über römische Weihnachten gesetzt. Zu dem sie neben Matthias Brandt noch die zweite Interpretin Dorothee Mields als Gastsängerin eingeladen hat.                                                                                        

 Scarlatti: Weihnachtskantate 3. Arie Tocco la prima sorte

Auch in Alessandro Scalattis Kantate „Ob di Betlemme altera povertà“ – „Oh glücklich ist die Armut des erhabenen Bethlehems“, gesungen von Dorothee Mields, wird – typisch für das Concerto grosso – abgewechselt zwischen der solistischen Gruppe samt Sopran und dem Grosso, dem Restorchester. So bleibt sich Dorothee Oberlinger als erfahrene wie innovationsfreudige Blockflötistin und inzwischen auch Dirigentin treu.

Sie geht didaktisch vor, auch in Alessandro Marcellos Concerto d-moll, das von der Oboe oder Trompete auf die Blockflöte transponiert wurde, oder in Händels Orgelkonzert F-Dur, ebenfalls diesem Instrument angepasst.                                                                                             

 Guido: L’Hyver. Largo la Saison de Frimats

Aber Dorothee Oberlinger liefert auf ihrer neuen CD „Pastorale“ auch lebendig weihnachtlich italienische Atmosphäre, mit den Matthias-Brandt-Lesungen, Dorothee Mields‘ Vokalbeiträgen, mit Volksliedern, mit Musik von Antonio Vivaldi. Und mit einer originellen Antwort auf dessen Vier Jahreszeiten: Dem ähnlich frostig aus den Geigensaiten klirrenden, nur langsam melodisch auftauenden „Winter“ aus Giovanni Antonio Guidos „Scherzi armonici“ über die ebenfalls „Vier Jahreszeiten“.

Insgesamt ist es ein harmonisch farbenreiches, wirklich pastorales Album geworden. Berührend und prachtvoll, das Gemüt in dunkler Jahreszeit erhellend. Egal, ob man an das Christkind glaubt oder nicht: Dorothee Oberlingers römische Weihnacht hat als stimmige Klang-Vedute einfach Atmosphäre.                                                                                             

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