Clara Schumann in Württemberg

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2019 ist das Clara Schumann Jahr: Im September jährt sich ihr Geburtstag zum 200. Mal. Und das bedeutet, dass in diesen Monaten zahlreiche CDs und auch Bücher erscheinen. Schon seit Jahren auf diesen runden Geburtstag hingearbeitet hat der Musikwissenschaftler Wolfgang Seibold, der bereits im vergangenen Herbst eine kleine Studie vorgelegt hat: Er hat sich mit Clara Schumanns Aufenthalten in Württemberg beschäftigt. Dorothee Riemer hat mit Wolfgang Seibold über sein Buch gesprochen und berichtet.

Eigentlich wollte Clara Wieck gleich wieder abreisen als sie im Januar 1839 das erste Mal als Klavier-Virtuosin nach Stuttgart kam. Denn die Stuttgarter Musikszene empfing die 19-Jährige nicht gerade mit offenen Armen.

Die Stuttgarter haben es also der Hofklavierlehrerin Louise Bohrer zu verdanken, dass die junge, aber schon berühmte Virtuosin Clara Wieck nicht gleich wieder die Flucht ergriff. Bohrer nahm Wieck mit zum Theaterintendanten, warb am Hof für die Musikerin und führte sie in die Stuttgarter Gesellschaft ein. Und nach und nach kamen die Dinge ins Rollen: Wieck durfte für die Königin und einige Prinzessinnen spielen, und zehn Tage nach ihrer Ankunft gab sie ein großes öffentliches Konzert im Museum.

Clara Wieck wollte weiter in Richtung Paris. Aber sie kam noch mehrmals im Laufe ihrer langen Karriere zurück nach Stuttgart, dann als inzwischen verheiratete Clara Schumann: immerhin neun Konzerte gab sie bis 1888. Die Forschung hat sich bisher mit Clara Schumanns Besuchen in Stuttgart und Württemberg kaum ausführlicher befasst, denn andere Orte waren für ihre Biografie wichtiger. Aber der Musikwissenschaftler Wolfgang Seibold hat sich Clara Schumanns Beziehungen zu Württemberg genauer angeschaut – auch ein wenig aus Lokalpatriotismus. 

Württemberg als Land hat Clara Schumann kaum kennengelernt. Konzerte gab sie ausschließlich in Stuttgart. Im Kurort Wildbad verbrachte sie im Sommer 1859 eine Kur für ihren rheumatischen Arm. Seibold hat alle Daten und Fakten zu Clara Schumanns Württemberg-Besuche in seinem Buch zusammengestellt. Die verfügbaren Quellen wie Briefe und Konzertkritiken zitiert er ausführlich und lässt sie für sich sprechen: aus diesen Puzzleteilen setzt sich ein schlüssiges Bild zusammen, das erstaunlich viele Details bereithält. Denn alles ist ausgiebig recherchiert und belegt; zu jeder erwähnten Person gibt es mindestens eine Fußnote mit einer kurzen Einordnung. Ein besonderer Bonus dieser Studie sind sieben Exkurse zu verschiedenen Stuttgarter Persönlichkeiten, mit denen Clara Schumann zu tun hatte.

Die Kontakte und Freundschaften aus Stuttgart halten zum Teil bis an Clara Schumanns Lebensende: Immer wieder werden Briefe ausgetauscht und auch jenseits von Konzertreisen Besuche organisiert. Bei der Arbeit mit dem Material zu Clara Schumanns Konzerten in Stuttgart lernte Seibold auch noch eine interessante Seite der Künstlerin kennen.

Die Stuttgarter danken es ihr und jubeln Clara Schumann bei ihren weiteren Konzerten zu, feiern sie enthusiastisch, überschütten sie mit Blumen und ehren sie in ausführlichen Konzertkritiken. Zeitgenössische Einschätzungen von Clara Schumanns Spiel finden sich auf diese Weise in Seibolds Buch neben Details zu ihrer Konzertplanung, amüsanten Begegnungen mit Freunden und Bekannten und Einblicken in ihr Familienleben als alleinerziehende Mutter mit full-time-job. Ein gelungener Beitrag zum Clara Schumann Jahr – auch für Nicht-Württemberger – der die Musikerin als Künstlerin und als Persönlichkeit greifbar werden lässt.

Buch-Tipp vom 13.03.2019 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik

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