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INTERVIEW

Der weltweit gefeierte Choreograf und Direktor des Hamburger Balletts John Neumeier gastiert mit seiner Ballet-Compagnie in Baden-Baden. Das Ballett „Ghost Light“, das zuvor in Hamburg uraufgeführt wurde, handelt von der Einsamkeit der vergangenen Monate mit der Pandemie. In der Choreografie zu Musik von Schubert stecke aber auch Hoffnung, erzählt Neumeier im Gespräch.

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Bewegt von den schweren Umständen dieser Zeit setzte sich John Neumeier schon zu Beginn der Pandemie an seine Choreografie, die später „Ghost Light" heißen sollte. Da wusste er nicht, ob sein Ballett überhaupt irgendwann auf die Bühne kommen würde, erzählt er im Gespräch.

Ein einsam brennendes Lämpchen im leeren Theater

Inspiration für den Namen und die Idee bot ein älterer Brauch: In unbesetzten Theatern wurde früher im Saal ein Lämpchen angelassen, da die Bühne sonst stockfinster gewesen wäre. Als im Zuge der Covid19-Pandemie Kulturstätten gezwungen waren den Betrieb einzustellen, haben Theater am Broadway die Tradition wieder aufgenommen und das Geisterlicht im geschlossenen Theater eingeschaltet.

So wurde das schwach leuchtende Lämpchen, welches ursprünglich der Sicherheit dienen sollte, zum Symbol der schweren Auswirkungen der Pandemie auf die Kultur. In dem Licht sieht John Neumeier aber auch die Hoffnung, dass bald wieder Leben auf die Bühnen kommen wird. Denn für Ballett-Tänzer*innen sei die Zwangspause sowie die aktuellen Hygiene-Einschränkungen fatal.

Auftrittsverbote sind für Balletttänzer*innen eine Katastrophe

„Für mich ist es weniger wichtig, als für meine jungen Tänzer, dass wir weiter arbeiten. Denn sie haben eine sehr limitierte Zeit. Einige sind wirklich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und müssen jetzt die Möglichkeit haben, auf die Bühne zu kommen."

John Neumeier, Ballettdirektor und Choreograf in Hamburg

Die Tragweite der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie für Ballett-Tänzer*innen sei unermesslich. So konnte Neumeier nicht nachvollziehen, warum Theater grundsätzlich geschlossen und Fußballspiele weiter durchgeführt wurden. Ballett sei schließlich auch Leistungssport.

Neue Hygiene-Konzepte

Bei „Ghost Light" können nur Tänzer*innen zusammen tanzen, die miteinander liiert sind und in einem Haushalt leben. Alle anderen müssen Abstand halten. Diese „Ungerechtigkeit" gegenüber alleinstehenden Tänzer*innen und die echten Beziehungen der Tänzer*innen-Paare sind auch Stoff der Choreografie, erzählt Neumeier.

In der Zwischenzeit seien in Hamburg aber neue Hygiene-Konzepte eingeführt, die auch alleinstehende Tänzer*innen erlaubten, miteinander zu tanzen. Diese gelten dann für neue Produktionen.

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