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INTERVIEW

Schon vor Pandemiezeiten war die Cellistin Katja Zakotnik für ihre unkonventionellen Konzertformate bekannt. Während des Lockdowns hat sie sich nochmal etwas Besonderes einfallen gelassen: Um ihre Musik zu Gehör zu bringen, bietet sie Telefonkonzerte an.

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Die aus Slowenien stammende Cellistin Katja Zakotnik ist nicht nur als Interpretin sondern auch als Musikvermittlerin bekannt, zum Beispiel für ihre moderierten Themenkonzerte. Nach dem Musikstudium in Hannover, Italien und den USA hat sie sich intensiv mit Musikvermittlung und Musikmanagement befasst.

Musikvermittlung „outside the box“

Während der Corona-Pandemie und des lang anhaltenden Kultur-Lockdowns war ihre Kreativität besonders gefragt. Für Zakotnik gab es nur zwei Möglichkeiten, Konzerte auf Abstand zu geben: Per Telefon oder im Internet. Sie hat sich schwerpunktmäßig für das Telefon entschieden und kann mittlerweile den Anfragen kaum hinterherkommen.

Telefonständchen als innovatives Geschenk

Bei den Minikonzerten am Telefon handelt es sich um Geschenke. Menschen aus Zakotniks Umfeld verschenkten zu Weihnachten ihre Ständchen am Telefon. Fast alle Empfänger*innen beauftragten dann weitere Ständchen. Auf diese Weise verbreitete sich das Musikvermittlungsprojekt.

„Wir haben eine Zeit, in der nicht nur die Künstler*innen leiden,es leidet auch das Publikum. Es war mir wichtig, einfach diese Musik an die Menschen geben zu können, denen sie fehlt.“

Eine persönliche Konzertform über die Telefonleitung

Das Besondere bei den Telefon-Konzerten: Sie sind sehr persönlich. Zakotnik hatte noch kein Telefonständchen, nach dem einfach aufgelegt wurde. Im Anschluss folgte fast immer einer Unterhaltung.

„Es ist wirklich in dem Moment live nur für diese Person auf deren Telefonleitung. Es ist keine Sache, die von außen noch einsehbar wäre. Das macht natürlich einen großen Reiz aus"

Insgesamt dauern die Konzerte sechs bis zehn Minuten. Die Cellistin hat eine Liste mit Vorschlägen für die Musik, ist aber auch für andere Anfragen offen.

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