Gespräch

Im politischen Gefecht: Russische Cellistin Anastasia Kobekina zur Absage ihres Konzerts

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INTERVIEW
Katharina Eickhoff

Am 20. März sollte die russische Cellistin Anastasia Kobekina im schweizerischen Ittingen auftreten, doch ihr Konzert wurde wegen ihrer Nationalität abgesagt. Dabei hatte die Musikerin schon Anfang März den Krieg und die russische Politik öffentlich kritisiert. Die 28-jährige Cellistin äußert sich im Gespräch mit SWR2 zum Teil verständnisvoll zur Absage. Gleichzeitig berichtet sie von der schwierigen Lage, in der russische Künstler*innen aktuell stecken.

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Zwischen die Fronten geraten

Kobekina, die 1994 in Jekaterinburg geboren wurde, gilt heute als vielversprechendes Talent ihrer Generation. Als russische Staatsbürgerin ist sie jetzt zwischen die Fronten geraten in der Debatte darüber, ob man derzeit russische Musik*innen auf das Programm setzten soll oder nicht.

„Ich kann und will nicht akzeptieren, dass dieser Krieg in meinem Namen als russischer Staatsbürger geführt wird. Ich bin am Boden zerstört“, postete sie am 2. März auf Instagram. Die Musikerin lebt heute im Westen, ihre Familie befindet sich allerdings in Russland.

Von meiner Seite aus ist es nicht so mutig, sich so klar zu positionieren, weil ich hier lebe. Meine Familie hat es akzeptiert, dass ich diese klare Position annehme, aber man weiß nicht, was kommen könnte. Diese Sorge habe ich natürlich.

Kontroverse als Grund für die Absage

Der Konzert-Veranstalter in Ittingen begründete die Konzertabsage ursprünglich mit der aktuellen „Kontroverse um den Auftritt russischer Künstlerinnen und Künstler“. Mittlerweile schreibt dieser auf seiner Webseite, dass „die Entscheidung heute wahrscheinlich anders ausfallen“ würde.

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