Pop Hits aus dem Tresor - „Originals“ von Prince

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Von Philine Sauvageot

Um seinen „Tresor“ rankten sich so viele Mythen. In der Musikwelt fragte man sich seit dem plötzlichen Tod von Superstar Prince vor drei Jahren, was da in seinem so wohl gehüteten Nachlass schlummert. Hunderte Songs soll er nicht veröffentlicht haben. Darunter sogar eine Kooperation mit Miles Davis.

Nach seinem Tod wurde der Tresor geöffnet - und jetzt ein kleiner Teil daraus zum ersten Mal veröffentlicht. 14 Stücke, die zusammen das Album „Originals“ ergeben.

Dauer

1984 singt Prince „Nothing Compares 2 U“

„Nothing Compares 2 U“, hat Prince geschrieben und komponiert. Seine Interpretation von 1984 kann man auf dem gerade erschienenen Album „Originals“ hören. Sechs Jahre später covert ihn die irische Sängerin Sinéad O’Connor, sie macht den Song erst bekannt. „Nothing Compares 2 U“ wird zum weltweiten Hit samt MTV-Heavy Rotation und auch im Rückblick zu einem der wichtigsten Stücke der 90er Jahre. Wie die Kamera auf ihr Gesicht hält, die Tränen kullern ihre Wangen herunter.

Und doch ist Prince derjenige, dem für diesen Song der Ruhm gebührt. Sein Original war vielleicht zu gut versteckt, keine Single, auf einem Album seiner Funkband The Family, kaum beachtet, bis Sinéad O’Connor den Song herausbrachte.

„Manic Monday“ – auch ein Original von Prince

Jetzt wird sein Original wertgeschätzt. Als Single-Auskopplung von dem Album „Originals“, das die Originale weltbekannter Stücke in Erinnerung ruft. Auch „Manic Monday“, das wir eher in der Version der amerikanischen Band Bangles kennen, damit hatte sie 1986 ihren Durchbruch.

Aber über die Frau, die montags aufwacht und sich wünscht, es sei doch bitte Sonntag, singt ursprünglich: Prince.

Prince war die Hit-Maschine für andere

Alle jetzt veröffentlichten Stücke aus seinem Archiv waren für andere gedacht. Für seine Protégés, junge Talente, die er fördern wollte. Prince war ihre Hit-Maschine und versorgte sie mit Material, verschaffte vielen hohe Chartplatzierungen: Der Girl Group Vanity 6 zum Beispiel. Oder Jill Jones, mit der er damals liiert ist.

Den Text von „Baby, You’re a Trip“ schreibt Prince, so erzählt es Jill Jones vor Kurzem der New York Times, auf Basis dessen, was er in ihrem Tagebuch gelesen hatte. Verbotenerweise. Sie hatte es vor ihm versteckt, er brach das Schloss auf. Auch sonst sollten alle Musiker, für die er komponierte, Tagebuch führen, ihm Einblick gewähren - und die Songs füllte er dann mit ihren Gedanken.

Tagebuch-Aufzeichnungen anderer verarbeitete Prince zu Songtexten

Songschreiber im Verborgenen sind nichts Ungewöhnliches, davon lebt die Musikwelt. Nur dass es hier eben um Prince geht. Er hat alle Stücke auf diesem Album Anfang der 80er geschrieben - in seiner auch sonst produktivsten Phase, kurz bevor seine vier Jahrzehnte überdauernde Karriere so richtig beginnt: als Performer, Tänzer, Gitarrist, Purple-Rain-Sänger.

Prince war zeitgleich auch Ghostwriter, das zeigt dieses Album: Von 1980 an produziert er in zehn Jahren zehn eigene Alben - und parallel dazu unzählige weitere Songs für andere. Hinter den Kulissen hat er seine Finger im Spiel. Sein Einfluss auf den Pop, R&B und Soul seiner Zeit ist damit noch größer als erwartet.

Diese „Demos“ sind perfekt

Sein Genie ist manchmal sogar so gut wie ungefiltert: dann, wenn seine Originale für die finale Version nur wenig verändert wurden. In anderen Fällen sind die Demo-Songs Inspiration, eine erste Idee. Aber auch, wenn das hier offenbar „nur“ Demos sein sollen – der Ausdruck trifft es kaum, denkt man bei Demos doch an ungeschliffene Aufnahmen aus dem Proberaum. Hier ist alles perfekt abgemischt. Und man möchte sich nur noch tiefer verbeugen vor diesem Perfektionisten, vor diesem Genie.

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