Livemitschnitt aus New Yorker Jazz-Club CD "Bay of Rainbows" von Gitarrist Jakob Bro

Von Johannes Kaiser

Die Musiker um den dänischen Gitarristen Jakob Bro überzeugen auf ihrem Livealbum "Bay of Rainbows" mit einem einzigartigen singenden Ton und kammermusikalischer Brillanz.

Die Musik hat den heute 40-jährigen dänischen Gitarristen Jakob Bro schon frühzeitig gepackt. Nicht weiter verwunderlich, denn sein Vater leitete eine Jazzbigband und war Musiklehrer. Im Haus gab es einen Musikraum mit zahlreichen Instrumenten. Mit vier Jahren griff er zur Trompete.

Jakob Bro - Gitarrist und Komponist (Foto: SWR, ECM Records  - John Rogers)
Jakob Bro - Gitarrist und Komponist ECM Records - John Rogers

Erst mit zwölf, als er zum ersten Mal Jimi Hendrix hörte, wechselte er zur Gitarre. Und weil es im Haus auch viel Jazzmusik gab, kam er rasch mit Pat Methenys und John Scofields Musik in Berührung. Die wurden erste Vorbilder.

Musik neu erkunden

Nach einem Musikstudium am Berklee College of Music in Boston und später in New York spielte Jakob Bro als Sideman, zum Beispiel von Paul Motion und Tomasz Stanko. Als Leader hat er inzwischen bereits 11 Platten veröffentlicht. Nun legt er einen Livemitschnitt vor. "Ich wollte schon immer eine Liveaufnahme machen. Ich habe mit Thomas Morgan und Joey Baron 40 bis 50 Konzerte im Jahr gespielt und die Musik hat sich auf der Bühne sehr schön weiterentwickelt", erklärt der Däne. Die Musik klinge ganz anders als im Studio.

Freie Interpretation

Vor allem das Konzert, dass das Trio um den dänischen Gitarristen Jakob Bro im Juli letzten Jahres im New Yorker Jazz Standard Club gab, hatte es ihm angetan. Fünf Stücke dieses Abends sind jetzt für die Veröffentlichung ausgewählt worden, alles Kompositionen, die Jakob Bro bereits vor Jahren für seine Studioaufnahmen geschrieben hatte. Doch das alte Material ist kaum wiederzuerkennen, so stark haben es die drei Musiker live verändert. Das liegt natürlich auch daran, dass Jakob Bro seinen beiden Mitspielern auf der Bühne völlige Freiheit lässt, seine Stücke zu ändern.

John Rogers (Foto: SWR, ECM Records - John Rogers)
von links: Thomas Morgan, Joe Baron und Jakob Bro ECM Records - John Rogers

Wenn man Jakob Bro Gitarre spielen hört, kann man sich kaum vorstellen, dass er lange mit seinem Instrument gefremdelt hat, wie er erzählt. Während er Trompete, Saxophon oder Flöte dafür liebt, dass sie große Ähnlichkeit mit der Stimme haben, musste er seine Stimme auf der Gitarre erst entdecken.

Brillante Aufnahmen

"Ich glaubte, es wäre viel einfacher, mich auf der Flöte auszudrücken, statt auf der Gitarre, die Saiten hat und Kabel, einen Verstärker und ein Plektron", erklärt der 40jährige. Er arbeitet hart daran, mit seiner Gitarre einen besonderen Ton zu entlocken.

Man kann Jakob Bro bedenkenlos bescheinigen, dass er auf seiner Gitarre tatsächlich einen einzigartigen, singenden Ton gefunden hat. Mit kammermusikalischer Brillanz interpretiert das Trio seine Stücke aufregend neu. Ein rundum gelungenes Livealbum.

CD-Tipp am 9.11.2018 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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