Britische Coronafolgen

Ein Drittel von Großbritanniens Musiker*innen will den Job wechseln

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Bereits jetzt zählt Großbritannien mit mehr als 41.000 Verstorbenen die meisten Corona-Todesfälle in Europa und die Infektionszahlen steigen wieder. Damit bleibt auch die Situation vieler britischer Musiker*innen weiterhin bedrohlich.

Glyndebourne Opernfestival in England (Foto: picture-alliance / Reportdienste,  UPPA)
Auch ausgefallen: das Glyndebourne Opernfestival mit seinem Picknick-Park in East Sussex. Zur finanziellen Unterstützung der Künstler sammelte das Festival Spenden. UPPA

Ein Drittel aller britischen Berufsmusiker*innen erwägt angesichts der Coronavirus-Pandemie, ihre musikalische Karriere aufzugeben. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter 2.000 Mitgliedern der britischen Musikergewerkschaft (MU), über welches die Gewerkschaft am Dienstag, 22. September, auf ihrer Webseite berichtet. Grund hierfür sind die finanziellen Auswirkungen der Pandemie, als Folge der massiven Einschränkung der Auftrittsmöglichkeiten.
Fast die Hälfte ihrer Mitglieder sah sich auch bereits gezwungen, außerhalb der Musikbranche zu arbeiten. Viele von ihnen haben demnach auch keinen ausreichenden Zugang zu staatlichen Hilfen.

"Diese Zahlen sind verheerend und zeigen, wie viele Musiker finanziell zu kämpfen haben und das reale Risiko haben, die Musik endgültig zu verlassen. In besseren Zeiten bescheren unsere Mitglieder mit ihrem Talent der Musikindustrie einen Umsatz von 5 Milliarden Pfund.
Der Auftritt eines Künstlers erzeugt einen Dominoeffekt für Jobs - für Lichttechniker bis zu Ticketverkäufern. Wenn ein Musiker also arbeitslos ist, kann man sicher sein, dass auch viele andere betroffen sind."

Jeden zweiten Konzertplatz an den Staat verkaufen

Mit dem staatlichen Programm zur Unterstützung des Kultursektors wurden zwar Institutionen und Veranstaltungsorte unterstützt, nicht aber Einzelpersonen, beklagt Horace Trubridge, der Generalsekretär der MU, gegenüber der britischen Zeitung "The Guardian". Es mangle zudem innerhalb des zuständigen Ministeriums an Verständnis für Künstler.
Die Gewerkschaft schlägt nun unter anderem vor, dass der Staat bei Konzerten jeweils die Kosten für einen zweiten Sitz bei einem Konzert übernehmen solle. Somit wäre das Abstandsgebot gewährleistet und Konzerte können wieder wirtschaftlicher veranstaltet werden.

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SWR