Der Pianist Brad Mehldau und sein Bach-Projekt Bach meets Jazz

Am 29.3.2018 von Johannes Kaiser

Die europäische Klassik ist bis heute eine wichtige Inspirationsquelle für Brad Mehldau. Dass er jetzt ein ganzes Soloalbum Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier gewidmet hat, ist ungewöhnlich, aber nicht ganz überraschend, denn zum Aufwärmen spielt er morgens immer Bach.

Wirklich energiegeladene Musik

Brad Mehldau: “Ich erinnere mich daran, wie ich Chopin entdeckte. Ich hörte ihn zum ersten Mal und dann Brahms: Whow. Das war wirklich energiegeladene Musik. Die sprach mich an. Nur mit Bach hatte ich als Zehnjähriger meine Schwierigkeiten. Er war unzugänglich. Ich habe ihn damals nicht verstanden. Ich begriff nicht, warum ich seine Musik lernen sollte.“

Die europäische Klassik ist bis heute eine wichtige Inspirationsquelle für den 47jährigen Brad Mehldau. Immer wieder hat er auf seinen zahlreichen Alben neben Coverversionen von Popsongs und Jazzklassikern Stücke z.B. von Brahms interpretiert. Dass er jetzt ein ganzes Soloalbum Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier gewidmet hat, ist ungewöhnlich, aber nicht ganz überraschend, denn zum Aufwärmen spielt er Bach.

Bach inspiriert

Brad Mehldau: “Heute gehört Bach zu meinem Alltag. Bach ist allen überlegen. Brahms berührt mein Herz wie kein anderer Komponist. Aber Bach und Beethoven sind mehr als das. Sie haben für mich eine geradezu unmenschliche Größe. Wenn ich Brahms spiele, ist das so, als säße jemand neben mir. Wenn ich Bach spiele, ist da keine Person, sondern irgendetwas Größeres.“

Fünf Präludien und Fugen hat sich Brad Mehldau für sein Soloalbum ‚After Bach‘ ausgewählt. Die spielt er so, wie sie Bach notiert hat. Umrahmt werden diese Kompositionen allerdings von sieben eigenen Stücken, die Bachs Werken nachempfunden sind. Auch wenn sie in Intonation und Aufbau stark an den deutschen Meister erinnern, so verwandeln sie sich doch im Verlaufe des Stücks immer mehr zu jazzigen Improvisationen. Das dürfte Bach durchaus gefallen haben, denn auch er war zu seiner Zeit bekannt und berühmt für seine Improvisationen auf dem Klavier.

Großartige geistige Anregung

Brad Mehldau: “Das Klavierspiel ist eine nie endende Quelle von Inspiration und Frustration, insbesondere wenn man sich mit der Musik von Bach befasst und mit seiner sehr anspruchsvollen Polyphonie. Dabei spielt man mehrere Melodien gleichzeitig. Das ist außerordentlich schwierig und wunderbar und eine großartige geistige Anregung.“

Brad Mehldau jedenfalls meistert die Aufgabe scheinbar mühelos. Nicht nur seine Interpretation, sondern auch seine Improvisationen hätten dem Meister wahrscheinlich gefallen. Brad Mehldau spielt hier in bester Bach-Tradition. Sein Soloalbum ist denn auch für Jazz- wie Klassikfans durchaus ein Hochgenuss.

CD-Tipp am 29.3.2018 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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