Jazz Heiße Luft mit vielen Facetten: „Box of Breath" von Hazmat Modine

Von Georg Waßmuth

Das New Yorker Oktett Hazmat Modine verströmt eine Menge „heißer Luft“, wie ihr Frontman und Gründer Wade Schuman (Harmonika, Gesang, Gitarre) meint. Schon wegen der drei Bläser (Tuba, Saxofon, Trompete), die zugleich für einen nie dagewesenen Facettenreichtum sorgen. Er wird weiter ausgebaut mit Harmonica, Violine, zwei Gitarren und einem Schlagzeug.

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Mit den ersten Takten wachgerüttelt

Keine zwei Takte braucht die Band „Hazmat Modine“ um die Zuhörer wachzurütteln. Der Rhythmus geht in die Knochen, und die charismatische Stimme von Wade Schuman knarzt im Gehörgang.

Bei „Hazmat Modine“ ist der Name Programm. Er ist zusammengeschraubt aus dem englischen Begriff für „Gefahrengut“ und dem Markennamen eines Klimageräteherstellers.

Wilde Mischung aus Gebläse, Banjo und Trommeln

Seit zwanzig Jahren betreibt das Musikerkollektiv seine wilde Mischung aus Gebläse, Banjo und Trommeln auf Hochtouren. Mitbegründer, Sänger und Mundharmonika-Solist ist der famose Wade Schuman.

Wir machen einfach Weltmusik

Wo die Band stilistisch zu verorten ist interessiert ihn nicht die Bohne: „Amerikanische Musik ist ganz einfach Weltmusik. In Europa gibt es immer diesen Zwang etwas ganz klar einzuordnen. Ich denke, unsere Musik gehört ins frei fließende Genre. Hazmat Modine ist einfach Rock ’n’ Roll. Nur marschieren wir in eine sehr spezielle Richtung.“

Auch wenn im Publikum alle von den Stühlen springen, „Hazmat Modine“ ist beileibe keine „Spaß- und Gutelaune-Band“. Mit den bissigen Texten von Wade Schuman tritt sie dem Zeitgeist so manches Mal kräftig vors Schienbein.

„Trump hat eine Atmosphäre der Angst geschaffen“

Der Sänger- und Mundharmoniker-Virtuose ist im Zivilberuf Direktor für Malerei an der New Yorker Academy of Art. Darüber hinaus ist er ein durch und durch politischer Kopf. Seine Einschätzung zur Präsidentschaft von Donald Trump spiegelt sich auch in seiner Musik wider.

Wade Schuman: „Weniger als 50 Prozent der Amerikaner sind zur Wahl gegangen. Von denen hat nicht einmal die Hälfte für Trump gestimmt. Das muss man im Hinterkopf haben, wenn man von Amerika spricht. Es gibt keine Mehrheit für sein Konzept, und trotzdem findet ein permanenter Bruch aller gesellschaftlichen Normen statt.“

Geschlachtete Sparschweine für zerfledderte Teddys

So ausgefeilt, spitzfindig und filigran wie auf ihrem vierten Studioalbum klang „Hazmat Modine“ noch nie. Jeder der Songs ist ein Hinhörer, egal ob Wade Schuman über Gier und Begierde singt oder über zerfledderte Teddybären die als Totem auf den Stoßstangen New Yorker Müllautos rumkutschiert werden.

Die CD zu produzieren war ein Kraftakt. Finanziert werden sollte sie über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Doch das Geld kam nicht zusammen. Die Musiker mussten ihre Sparschweine schlachten. Die Auflage ist klein, aber die Qualität herausragend. Nicht nur das Sammlerherz sollte höher schlagen.

CD-Tipp am 31.5.2019 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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