Neues Buch vom „Blechschaden“-Gründer Bob Ross Amüsant

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Buchkritik 20.9.2017

Mit dieser irgendwie einleuchtenden Weisheit beginnt Bob Ross sein neues Buch. Gleich am Anfang legt er die Themenkreise fest, um die sich die nächsten 159 Seiten und 22 Kapitel drehen: Musiker, Schotten, Katastrophen und vor allem Dirigenten.

Bob Ross schreibt gnadenlos subjektiv, gewissermaßen direkt aus dem Orchestergraben heraus. Aber in diesem Buch geht es ja schließlich auch nicht darum, objektive Wahrheiten zu verkünden. Munter vermischt der Autor deshalb selbst erlebte Geschichten mit in Zeitungen abgedruckten oder von Kollegen erzählten Anekdoten. Aber auch Episoden aus seiner eigenen Biografie streut er regelmäßig in sein Werk ein.

Im Prinzip besteht Bob Ross‘ Buch aus einer lockeren Reihung solcher und ähnlicher kurzer Geschichten und Begebenheiten. Kaum mehr als eine Seite hält sich der Autor mit einem Thema auf, sondern springt gleich zum nächsten. Im Grunde sind es kurze, aufgeschriebene Moderationen, wie er sie auch in seinen Konzerten und seiner Fernsehsendung selbst vorträgt. Manches davon hat man auch schon einmal gehört. Am Schluss steht dann meist eine Pointe, die allerdings ohne die charakteristische Art und Sprechweise ihres Autors weniger Zugkraft entwickelt als auf der Bühne oder dem Bildschirm.

Streng unterscheidet Bob Ross in seinem Buch zwischen eher komischen und wirklich tragischen Katastrophen. Und so enthält sein Werk auch manches Nachdenkliches, z. B. Gedanken über die Ursachen der Trunksucht vieler Musiker. Und natürlich geht er immer wieder auf seine Heimat Schottland ein und versucht, die Einflüsse seines Landes auf die kontinentaleuropäische Musikgeschichte zu belegen. So besuchte etwa im Jahr 1822 ein Schotte namens John Russell Beethoven in Wien.

Auch solche kurzen Auszüge aus der Musikgeschichte finden sich in Bob Ross‘ Buch wieder. Meistens dienen sie dem Autor allerdings nur als Einleitung zu einer weiteren Anekdote aus seinem Erfahrungshorizont. So wundert es auch nicht, dass dieses Buch auf Dauer ein paar Längen hat und mancher Gag dann doch eher der Kategorie Kalauer zuzuordnen ist:

Bob Ross‘ Humor ist nicht unbedingt tiefsinnig, aber bissig und manchmal auch ein bisschen altbacken. So vergleicht er etwa im fünften Kapitel das Orchester mit dem Bundestag und den verschiedenen Fraktionen. Während er die Streicher eher dem konservativen und die Holzbläser dem liberalen Lager zuordnet, gehören die Blechbläser für ihn eindeutig zur linken Fraktion.

Bob Ross zeigt in seinem neuen Buch schonungslos die Brüche zwischen der Wahrnehmung des Konzertbesuchers von der sogenannten „Ernsten Musik“ und der Perspektive der Musiker auf das Geschehen auf. Personifiziert wird dieses System mit seiner scheinheiligen Aura durch die Institution des Dirigenten, der in diesem Buch sicher am meisten sein Fett wegbekommt, mit mal mehr, mal weniger gelungenen Kalauern und Witzchen. Unter dem Strich aber denn ein ganz amüsantes Werk, besonders zu empfehlen für Dirigenten mit der Fähigkeit, über die eigene Spezies und ihre Allüren herzlich lachen zu können.

Buchkritik vom 20.9.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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