Infektionsschutz bei Bläsern

Coronaschutzfilter bei der Staatskapelle Weimar im Klangtest

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Nach dem Prinzip des "Open Design" stehen die Schnittmuster der Bauhaus-Universität Weimar für Blasinstrumentenfilter kostenfrei als Download zur Verfügung. So soll das Infektionsrisiko beim Musizieren verhindert werden. Doch so simpel ist es dann doch nicht, wie eine Hörprobe zeigt.

Blechbläserinnen und Blechbläser der Staatskapelle Weimar spielen bei einer Hörprobe im Foyer des Deutschen Nationaltheaters Weimar mit Covid19-Filtern an den Instrumenten.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)
Blechbläser*innen der Staatskapelle Weimar spielen bei einer Hörprobe im Foyer des Deutschen Nationaltheaters Weimar mit Covid19-Filtern an den Trichtern der Instrumente. picture alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Bauhaus-Universität Weimar hat in Zusammenarbeit mit der Staatskapelle Weimar Filter für Blasinstrumente entwickelt, um den Aerosol-Ausstoß zu minimieren - winzige ausgeatmete Partikel, die Träger des Corona-Virus sein könnten.

Die Deutsche Orchestervereinigung hat positiv auf ein Experiment der Bauhaus-Universität Weimar reagiert, mit dem Blechbläser auch in der Corona-Zeit sicher vor Publikum musizieren können sollen. "Die Deutsche Orchestervereinigung unterstützt alle Ansätze der Wissenschaft, die geeignet erscheinen, eine Rückkehr mit Vernunft und Augenmaß zu befördern", teilte Christian Hübsch als stellvertretender Geschäftsführer der Vereinigung mit.

„Ob dadurch tatsächlich Partikel reduziert werden, können wir nicht sagen", sagt Lia Becher von der Professur für Bauphysik. Wohl aber lasse sich anhand sogenannter Schlierenspiegel zeigen, dass sich der Luftstrom beim Spielen durch den Filtereinsatz begrenzen lasse.

Nach dem Aerosol-Test folgte der Klangtest

„Wir haben Küchenpapier für die Prototypen genommen", sagt der Professor für Industriedesign Andreas Mühlenberend am Donnerstag, 10. September (2020) im Foyer des Deutschen Nationaltheaters vor der „Welturaufführung" des gefilterten Bläserklangs.

Die Musiker*innen spielen für die Hörprobe den Marsch „Berliner Luft". „Man hört, dass es einen Unterschied gibt, aber man muss ja nicht bewerten, ob es schöner klingt", meint Trompeter Rupprecht Drees. Man könne ja mit dem Tuchmaterial experimentieren. Die Pläne für die Filter sind im Internet zugänglich. „Vielleicht hat jemand woanders die Idee, wie wir es besser machen können", sagt Drees.

Blechbläserinnen und Blechbläser der Staatskapelle Weimar spielen bei einer Hörprobe im Foyer des Deutschen Nationaltheaters Weimar mit Covid19-Filtern an den Instrumenten.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)
Die in Weimar genutzten Filter sind aus herkömmlichem Zellstoff und werden mit Klebeband an den Schallbecher von Trompete, Posaune und Co. angebracht. picture alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

„Beim Spielen der Blechblasinstrumente war durch den Gebrauch der Filter nahezu kein Unterschied in der Klangausformung zu hören, weshalb diese mindestens während der Proben zum Einsatz kommen könnten."

Orchesterdirektor Kretschmer setzt derweil darauf, dass Auftritte in größere Besetzung mit den Filtern bald wieder möglich werden. Dafür sei aber ein Schritt entscheidend: „Wir haben der Unfallkasse die Messergebnisse vorgelegt, jetzt müssen die ihre Regularien ändern, damit wir wieder mit weniger Abstand spielen können."

Sorgenkind Holzblasinstrumente

Die Bereiche Bauphysik und Industriedesign an der Bauhaus-Uni verwenden für ihre Filter herkömmlichen Zellstoff, welcher in eine wabenartige Form geschnitten und mit Klebeband vor dem Schallbecher des jeweiligen Blasinstrumentes locker angebracht wird. Die Filter sollen sowohl die Musiker*innen als auch das Publikum vor dem Coronavirus schützen. Unzureichend sind diese Filter allerdings bei Holzblasinstrumenten, da hier die Atemluft auch aus den Tonlöchern und teilweise am Mundstück austritt.

Sonderlösung Querflöte

Bei Untersuchungen mit verschiedenen Instrumenten hatte sich herausgestellt, dass bei der Querflöte die Reichweite der Atemluft am größten ist, da bei dieser ein Großteil der Atemluft über das Mundstück geblasen wird. Mit einem Zellstofffilter, der am Kopfstück montiert wird, kann nun die über das Mundstück geblasene Luft von 100 cm auf weniger als 15 cm Reichweite reduziert werden. Nach Angaben der Weimarer Forscher sind dabei keine "akustische Einbußen zu verzeichnen."

Die Corona-Auflagen haben viele Orchester in Deutschland vor große Herausforderungen gestellt. Vor allem große Orchester können unter den geltenden Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bisher kaum in voller Besetzung spielen. Abstandsregeln müssen eingehalten werden, zudem gibt es Bedenken wegen des Aerosol-Ausstoßes, der gerade beim Spielen von Blasinstrumenten entsteht.

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SWR