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Um die 50.000 Apps rund um das Thema Musik gibt es auf dem Markt der digitalen Möglichkeiten. Sogar Musikwissenschaft gibt es „to go“ – mit der Kantaten-App von Markus Müller. 2012 fing er an, die Inhalte zusammenzutragen und eine Anwendung zu programmieren. Was als Hobbyprojekt begann, wurde im Laufe der Jahre zu einem Produkt, von dem auch Musikerkolleg*innen begeistert sind. Ulrike Henningsen stellt App und Entwickler vor.

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Neben der Bahn-, der Wetter- und all den anderen nützlichen Apps prangt mittlerweile auch das weltberühmte Bach-Siegel in weiß auf schwarzem Grund auf meinem Display – die Kantaten-App. Oboist Markus Müller hat sie entwickelt

„Man ist viel zu sehr fokussiert auf seine eigene Stimme. Das ist wie ein Blick durchs Schlüsselloch auf ein Gemälde, man sieht aber nur 5 × 5 cm, wenn man auf seine eigene Stimme guckt. Das ist ja für jede Musik so, aber insbesondere bei den Bachkantaten ist es ein riesiger Kosmos.“

Informationen, Texte, Originalnoten

Ich öffne sie und sehe am unteren Rand die Rubriken Kantaten, Choräle und Bibel. Ich klicke auf Kantaten und gebe „Lobe den Herren“ ins Suchfeld ein. Hier bekomme ich zunächst alle Informationen zur Besetzung, zum Text und zum Choral.

Außerdem gibt es sämtliche Texte der Choräle, Arien und Rezitative. Jetzt klicke ich auf „Noten“ und kann mich zwischen verschiedenen Quellen entscheiden.

Besonders spannend finde ich die Originalnoten. Ich schau mir mal die Tenor-Arie genauer an: Im Display erscheinen Fotos von vergilbtem Papier. Feinsäuberlich wurden auf diese Blätter im 18. Jahrhundert mit schwarzer Tinte die Stimmen getuscht.

Neue Version der ultimativen Bach Kantaten App

Aus dem Arbeitsalltag eines Musikers entstanden

„Oft ist es so in der Probensituation, man sitzt zusammen, hat irgendeine Notenausgabe, die ist von 1950 – im schlimmsten Fall – und dann steht da irgendwas drin vom Herausgeber, oder es steht gar nichts drin. Dann gehen so Diskussionen los und das ist dann ein Stochern im Nebel, weil die Notenausgabe das einfach nicht hergibt.“, so der Oboist Markus Müller.

Jetzt könne er innerhalb von einer Minute die Kantate in der App finden. In Kooperation mit dem Bacharchiv Leipzig konnte Müller die Bachhandschriften in der App unterbringen. Damit komme man direkt an die Quelle „das, was Bachs Musiker auf den Pulten liegen hatten.“

Musiker und Softwareentwickler

Etwa 1.000 Nutzer*innen, schätzt Müller, hat die App bis jetzt weltweit und ist damit ein Nischenprodukt, das ihm nur ein monatliches Taschengeld beschert.

Trotzdem war es auch aus wirtschaftlicher Perspektive für den Oboisten lohnend, denn mit der Kantaten-App hat er sich als Softwareentwickler bewiesen und dadurch eine Anstellung in einer Computerfirma bekommen.

„Sozusagen war Bach da in doppeltem Sinn meine Rettung — bin ich fein raus, da ich einen krisenfesten Job machen darf. Ich kann ja zur Zeit auch keine Konzerte spielen.“

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