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Man feiert ihn in Konzertsälen, in Museen, aber auch digital: Beethoven ist längst auch in der Welt der Apps angekommen. Julia Spyker hat sich umgesehen – und ist ein bisschen enttäuscht.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
10:05 Uhr
Sender
SWR2

„Folge der Musik“: hübsch verspielt, aber zu wenig Inhalt

Das Beethoven-Game „Folge der Musik“ ist die einzig wirklich neue App, die bisher in diesem Jubel-Jahr erschienen ist, unter der Schirmherrschaft des WDR. App gestartet, Level 1 „Für Elise“. Bevor wir jedoch starten können benutzt das Spiel die Vorderkamera vom Smartphone oder Tablet. Die Umgebung wird gescannt, ein Notenpult erscheint, das soll ich per Tap auf den Bildschirm vor mir platzieren.

Das Spiel beginnt. Besser die Musik. Es erscheint ein Notenschlüssel in der Mitte des Bildschirms, dieser setzt sich zur Musik in Bewegung. Ziel ist es, den Notenschlüssel immer im Zentrum des Bildschirms zu halten. Ich folge also dem Notenschlüssel, bewege mein Smartphone in der Luft und ja, es hat ein bisschen was von dirigieren.

Während ich dem Notenschlüssel folge, wird die reale Umgebung auf dem Bildschirm durch Blumen, Vögel und Schmetterlinge ergänzt. Am Ende des Stücks blicke ich mich um, eine kleine Schatulle liegt im Eck, ich tippe sie an und erhalte Infos zu Beethoven und seiner berühmten Elise. Das Spiel „Beethoven – Folge der Musik“ ist hübsch verspielt und  man kommt mit der Musik Beethovens in Berührung – inhaltlich wäre aber sicher mehr drin gewesen.

Kurioses Fundstück: „Binaural Beethoven“

Test von Apptricker zu "Binaural Beethoven"

Meine Suche nach Beethoven im App-Store geht weiter. Es gibt – gelinde gesagt – einen rechten Haufen Mist für den sich App-Entwicker den berühmten Namen Beethoven herangezogen haben! Wie etwa die kuriose App „Binaural Beethoven“ - hier sollen bestimmte Hirnareale angesprochen werden, zum Beispiel um zu meditieren oder einzuschlafen. Dafür kombiniert man in der App drei Sounds: Beethovens Musik, binaurale Beats und Naturgeräusche. Ich wähle die Mondscheinsonate, bei den binauralen Beats „Meditation“ und Vogelgezwitscher bei den Naturgeräuschen.

Netter Zeitvertreib: „Piano Puzzle“

Et voilà: Mein nächster Beethoven-Fund: „Piano Puzzle“. Das klingt doch schon mal besser. Beim starten der App kommt ein kleiner Zeichentrick-Clip. Beethoven am Klavier, komponierend, er steht auf, geht auf die Straße, ein Pferd  – was auch sonst –  reißt ihm die Noten aus der Hand und zerfetzt sie. Jetzt sind also wir gefragt, die kaputte Partitur - in dem Falle Beethovens 5. Sinfonie - wieder richtig zusammenzupuzzeln.

Pro Level immer 4 Takte. Man kann sich zunächst den kompletten Abschnitt anhören, den man dann in der richtigen Reihenfolge puzzeln soll, aber auch die einzelnen Puzzleteile. Legt man die Puzzleteile in Reihe, kann man diese immer wieder hören. Dabei ergeben Fehlversuche auch ganz hübsche neue Kompositionen. Kein großer Wurf, die App „Piano Puzzle“, aber ein ganz netter Zeitvertreib.

Lichtblick: „Beethoven 9“

Zugegeben, das ist bis hier wirklich alles erstaunlich seicht und Beethoven scheint bei keiner App so richtig im Mittelpunkt zu stehen. Doch es gibt einen Lichtblick in der App-Welt – und zwar die App „Beethoven 9“. Zwar schon ein paar Jahre alt, aber hier geht es wirklich einmal darum in ein Werk Beethovens einzutauchen. Und zwar auf phänomenale Art. Kostenlos gibt es die App für Tablets und Smartphones, dann allerdings nur den zweiten Satz der 9. Sinfonie. Zum Testen aber ein fairer Deal.

App gestartet und schon beginnt der 2. Satz der 9. Sinfonie. Dazu läuft auf dem Bildschirm die Partitur. Es gibt aber auch einen Modus für alle, die keine Noten lesen können, eine vereinfachte grafische Partitur. Und wenn einem das immer noch zu langweilig erscheint, empfehle ich den Orchestermodus. Hier wird jedes Instrument durch einen Punkt dargestellt, spielt das Instrument oder die Instrumentengruppe blinken die Punkte. So bekommt man einen wunderbaren Eindruck, wie Themen oder Motive durchs ganze Orchester wandern. 

Namhafte Musiker*innen kommen zu Wort

Neben der Orchesteransicht gibt es außerdem noch einen Untertitel-Modus. Hier wird in kurzen Sätzen beschrieben, was gerade in der Musik passiert. Das war aber noch nicht alles. Denn in der Tablet Version gibt es Infos zur Geschichte der 9. Sinfonie und außerdem Interview-Clips mit großen Musikern unserer Zeit, wie dem Dirigenten Gustavo Dudamel, der Pianistin Alice Sara Ott oder Leonard Bernstein.

Und selbst das ist noch nicht das Ende vom Lied in dieser App. Denn die 9. Sinfonie kann man sich in 4 verschiedenen Interpretationen anhören. Sprich: Die Berliner Philharmoniker mit 4 verschiedenen Dirigenten, Ferenc Fricsay, Herbert von Karajan, Leonard Bernstein und John Elliot Gardiner.  Und das schöne – man kann die Interpretation wechseln, während die Musik läuft.

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