Diversität

Neue-Musik-Diskussion ohne Frauen: ZKM muss Veranstaltung überarbeiten

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Mehrere Organisationen von Frauen in der Musik haben einen offenen Brief an das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe geschrieben, nachdem bei dessen Online-Veranstaltung „einklang freier wesen“ lediglich männliche Personen als Diskussionsteilnehmende vorgesehen waren. Inzwischen hat das ZKM reagiert und die Veranstaltung verschoben. Das Konzept soll neu überarbeitet werden.

13 Teilnehmer — 0 Frauen

Im Brief wurde kritisiert, dass sich bei der Veranstaltung, die für den 29. Januar 2021 angekündigt war, unter den 13 vorgesehenen Teilnehmern für ein Symposium über digitale Musikerfahrung keine einzige Frau befand. Gleichwohl war die Veranstaltung gegendert angekündigt worden und in den an der Veranstaltung teilnehmenden Ensembles sind auch Musiker*innen aktiv.

„KünstlerInnen, Ensembles und VeranstalterInnen diskutieren über Grenzen und Chancen digitaler Musikerfahrung und stellen ein globales Kooperationsprojekt vor.“

"einklang freier wesen" – ohne #Diversity/Frauen und/oder PoC, auch nicht in der Moderation. Ein Offener Brief verschiedener Musikeinrichtungen & anderweitig von rund 100 Personen unterzeichnet, bemängelt diese heute stattfindende Veranstaltung des ZKM Karlsruhe zu Recht 💪 https://t.co/QeXmqxGXwK https://t.co/Jwls5YWYMF

Gemeinsame Protestaktion

An der Protestaktion mit dem offenen Brief beteiligen sich neben vielen Kulturschaffenden unter anderem das Archiv Frauen und Musik, musica femina München e.V., die Gruppe „Gender Research in New Music“, sowie das Kollektiv für Frauen in der elektronischen Musik female:pressure. Eventuell werden in den sozialen Medien aus diesem Anlass noch weitere Aktionen laufen, die die Diversität von Künstler*innen in der Neuen Musik sichtbarer machen sollen.

#ZKMpolyphony #ZKMfreecritters https://t.co/qCoLaC9zG4

Organisatoren entschuldigen sich, Panel wird erweitert

Das ZKM Karlsruhe reagierte nach Veröffentlichung des Briefes und einigen kritischen Nachfragen auf Facebook mit Verweis auf die zuständigen Personen und entschuldigte sich. Tobias Rempe vom Ensemble Resonanz und Ludger Brümmer vom ZKM äußerten ihr Bedauern und entschuldigten sich ebenfalls. Das zugrundeliegende Projekt sei spontan während des ersten Lockdowns entstanden und deshalb nicht kuratiert — aus diesem Grund hätten sich die männlichen Teilnehmer ergeben.

Bei der Zusammensetzung des Symposium-Panels gelte dies jedoch nicht, die Entscheidung hier hauptsächlich mit den (männlichen) Projektpartnern und ohne zusätzlich geladene weibliche Diskussionsteilnehmende voranzuschreiten sei „blind“ gewesen, erklären Rempe und Brümmer in dem Facebook-Kommentar.

einklang freier wesenThis Friday, January 29 from 5 pm we hear, see and talk about #newmusic in an audacious creative act inmidst the challenges of covid-19 during the symposium & showcase | einklang freier wesen with Ensemble Resonanz, Talea Ensemble, Ensemble Musikfabrik, Klangforum Wien, Ensemble Modern, and ZKM | Hertz-Lab. Eager to join the discussion? >> https://t.me/zkm_hertzlabPosted by ZKM - Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe on Wednesday, January 27, 2021

Nachdem das Panel zuerst um zwei Frauen auf 14 Teilnehmende erweitert und getauscht wurde, hat das ZKM nun angekündigt die Veranstaltung bis auf weiteres zu verschieben, um das Konzept neu zu überarbeiten und den Diversitätsgedanken mit einzubeziehen.

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