STAND
INTERVIEW

Musik live erleben ist im „Lockdown Light" in Konzertsälen nicht möglich. Deswegen tritt Anne-Sophie Mutter derzeit in Kirchen auf und sammelt Spenden für freischaffende Musiker*innen, die von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen sind. Es sei „eine politische Wertungsentscheidung", sich in Zeiten hoher Infektionszahlen gegen die Kultur aber für die Religion und andere Bereiche zu entscheiden, sagt Anne-Sophie Mutter vor ihrem Konzert in der Stuttgarter Stiftskirche in SWR2. Diese Wertung sei besonders schmerzhaft für Kulturschaffende, so die Geigerin.

Audio herunterladen (6,8 MB | MP3)

„Musik und Kirche sind untrennbar verbunden“ - mit dieser Begründung erklärt die Geigenvirtuosin Anne-Sophie Mutter den Auftritt ihres Ensembles am 27. November in der Stuttgarter Stiftskirche. Sie wolle damit Spenden für die Nothilfe der Deutschen Orchester Stiftung sammeln, erklärt Mutter im Gespräch mit SWR2.

Die Corona-Hilfen für Solo-Selbstständige: „Es kommt zu wenig zu spät"

Viele Musiker*Innen seien durch die Corona-Maßnahmen mit einem „Berufsverbot“ belegt: „Darum will ich einen Lichtkegel richten, indem ich sie unterstütze“. Grundsätzlich bestehe für ihre Kolleg*Innen das Problem, das zu wenig zu spät komme. Durch die Entscheidungen der Politik werde die gesamte Kulturbranche schmerzhaft getroffen, so Mutter.

„Das ist ja eine politische Wertungsentscheidung, was so einen Schmerz hinterlässt. Dass dem Staat die Religion wichtiger ist als die Kultur, empfinde ich auch als verheerend“.

Anne-Sophie Mutter, Geigerin

„Per aspera ad astra" - Musik und Religion gehören zusammen

Die Musikerin findet es falsch, Musik und Religion gegeneinander auszuspielen, da diese Bereiche eigentlich zusammengehörten. Für viele Musiker*innen sei das Musizieren „so etwas wie ein Gottesdienst“. Sie selbst sehe Musizieren als Nächstenliebe, ganz nach dem Motto Beethovens „Durch Dunkelheit zum Licht“. Am liebsten seien ihr im Moment ökumenische Gottesdienste, um überhaupt konzertieren zu können: „Es bleiben uns sonst keine Foren - außer der Straße“.

Da Gottesdienste von den Schließungen im Lockdown ausgeschlossen wurden, wünscht sich Anne-Sophie Mutter Solidarität von den Kirchen. Sie erhofft sich, dass die Kirche aktiv wird und als „Zeichen der Nächstenliebe" mehr Kirchen Gottesdienste bewusst musikalisch gestalten und den musikalischen Bereich damit unterstützen.

Anne-Sophie Mutter (57) studierte bei Aida Stucki in Zürich; seit einem Auftritt mit Herbert von Karajan 1977 zählt sie zu den weltweit gefragtesten Virtuos*Innen. In der Stuttgarter Stiftskirche spielt sie mit einem Streich-Quartett und dem Stiftskantor Kay Johannsen (Orgel)

#Zusammenhalten für die Kultur Geigerin Anne-Sophie Mutter: „Kunst ist ein Lebensmittel“

Anne-Sophie Mutter setzt sich in der Coronakrise dafür ein, dass die Nöte und Sorgen von Musiker*inne gehört werden und fordert angemessenen Staatshilfen für Freiberufler. Für die Stargeigerin sind konstruktive Gespräche zwischen Kunstschaffenden, Veranstaltern und Politikern die grundlegende Voraussetzung, um Schritt für Schritt den Übergang in einen geregelten Kulturbetrieb zu ermöglichen und auf dem Weg dahin den Musiker*innen Sicherheiten zu bieten. Julia Neupert im Gespräch mit Anne-Sophie Mutter.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Anne-Sophie Mutter - Eine von hier

Jahrhundertgeigerin, Weltbürgerin und immer mehr Kämpferin für die Zukunft der klassischen Musik. Die Ambitionen von Anne-Sophie Mutter gehen weit über das ganz große Solo auf der Violine hinaus.  mehr...

Anne-Sophie Mutter - Eine von hier SWR Fernsehen

Kommentar Gegen den neuen Kulturlockdown: Kunst spendet dringend notwendigen Trost

„Die Politik überschätzt Geschenke und unterschätzt seelische Bedürfnisse“, meint Maria Ossowski in ihrem Kommentar zum verlängerten Kulturlockdown. Denn gerade in der Vorweihnachtszeit, in der auch viele Menschen einsam seien und keine Familie, Freunde oder Angehörigen hätten, wäre Kunst ein Trost. „Trost mit Musik, mit Konzerten, mit Theatern, mit Musicals, mit Kunst. Kultur hilft, die seelisch herausforderndste Zeit des Jahres gut zu überstehen“.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Corona Lockdown Light und die Folgen für die Kultur: Gespräch mit Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart

Wo bleibt die Relevanz von Kunst in Zeiten des Lockdown Light? Kunscht!-Moderatorin Ariane Binder spricht mit Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, über Corona und die Folgen für die Kultur.  mehr...

Kunscht! SWR Fernsehen

Kultur-Update: Zweite Corona-Welle Bund und Länder verlängern Teil-Lockdown: Kultureinrichtungen bleiben bis Ende Januar geschlossen

Geschlossene Bühnen, Kinos und Konzertsäle, verwaiste Museen, Kunsthallen und Clubs. Die Kulturbranche ist von den Corona-Maßnahmen besonders hart getroffen. Trotz der zugesagten finanziellen Unterstützung fürchten viele Kulturschaffende um ihre Existenz, fordern mehr Anerkennung und bessere Arbeitsbedingungen oder klagen gegen die Schließungen.  mehr...

STAND
INTERVIEW