Album-Tipp

Andrea Tarrodis Orchesterwerke „Four Elements“

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Hannah Schmidt
Hannah Schmidt (Foto: SWR)

Das Nordic Chamber Orchestra hat sich in seiner neuesten Einspielung Orchesterwerken der schwedischen Komponistin Andrea Tarrodi gewidmet. Einige davon entstanden in der Isolation während der Corona-Pandemie und erzählen viel über die Komponistin selbst.

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„Eine ziemliche dunkle Zeit“: Die Pandemie

Ihren Zyklus „Four Elements“ hat Andrea Tarrodi während der Corona-Pandemie komponiert, eine, wie sie im Booklet schreibt, „ziemlich dunkle Zeit in meinem Leben“. Extrem lange habe es gedauert, die Musik zu den vier Elementen zu komponieren, immer wieder habe sie Ideen verworfen und neue entwickelt und diese wieder verworfen. Bis am Ende eine Musik herauskam, die für sie selbst kathartische Wirkung hatte.

In der Vier-Elemente-Theorie steht die Erde für Fruchtbarkeit und neues Leben, für Halt und für Beständigkeit. Langsame, schier endlos aufsteigende Melodielinien beschreiben in Andrea Tarrodis Komposition eine weitere Facette dieses Elements: seine Unergründlichkeit und seine Eigenschaft, eine regenerative Basis zu sein für alles andere.

Hoffnung auf hellere Zukunft

Der letzte Satz „Air“ beschreibt das Element Luft. Durch den reduzierten Einsatz der hohen Streicher, der Holzbläser und des Schlagzeugs entsteht hier der Eindruck, als würde ein sanfter, stärker werdender Windhauch durchs Orchester ziehen und die Instrumente wie von selbst zum Klingen bringen.

Für Andrea Tarrodi geht es in diesem Satz aber nicht nur darum, das wohl am schwersten zu greifende Element zu zeichnen. Sie schreibt, „Air“ sei für sie ein Trauerchor über vergangene Zeiten und transportiere gleichzeitig die Hoffnung auf eine hellere Zukunft.

Reise in die Toskana

Andrea Tarrodis Musik ist voller Ideen, voll klanglicher Überraschungen und erstaunlich farbenreich. In ihrem Werk „Tarot Garden“ aus dem Jahr 2020 spielt sie auf besonders beeindruckende Weise mit unterschiedlichen Besetzungen und experimentell anmutenden klanglichen Kombinationen, die das Ohr meint, noch nicht gehört zu haben.

Die Zuhörerin bewegt sich hierin musikalisch durch Niki De Saint Phalles Skulpturengarten in der Toskana – man begegnet dem Magier, der Hohepriesterin, den Liebenden, dem Teufel, dem Tod.

Andrea Tarrodi bald auch in deutschen Konzertprogrammen?

In Schweden ist Andrea Tarrodi aus dem Konzertleben nicht mehr wegzudenken. 2020 war sie die erste schwedische Komponistin, die einen Kompositionsauftrag der BBC Last Night of the Proms erhielt. Spätestens nach diesem Album ist klar: Ihre Musik sollte schleunigst auch den Weg auf deutsche Konzertprogramme finden.

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