Konzertgänger mit Dieselautos kündigen Abonnements Vergrault Dieselfahrverbot Klassikfans?

Seit Jahresanfang ist das Fahrverbot für ältere Dieselautos in Stuttgart in Kraft. Offenbar betrifft dies auch Konzertgänger, die daher nun auf ihren Konzertbesuch verzichten.

Demonstration gegen Dieselfahrverbot in Stuttgart (Foto: SWR, picture-alliance / Reportdienste - Sebastian Gollnow)
Am 11. Januar gab es die erste Demonstranten gegen das Dieselfahrverbot in Stuttgart am Neckartor. Wie viele Konzertgänger dabei waren, ist unbekannt. picture-alliance / Reportdienste - Sebastian Gollnow

Nach Schätzungen der baden-württembergischen Landeshauptstadt sind rund 72.000 Autofahrer in Stuttgart und dem Umland vom Fahrverbot für Dieselfahrzeuge der Euronorm 4 und schlechter betroffen. Einige davon sind wohl auch regelmäßige Konzertbesucher, die nach Angaben der Stuttgarter Nachrichten deshalb ihr Konzertabonnement gekündigt haben. Das seit 1. Januar geltende Fahrverbot hat dem Stuttgarter Konzertveranstalter Michael Russ zufolge derzeit 40 bis 50 erfolgte oder angedrohte Kündigungen verursacht.

Da ab kommendem Jahr auch für Euro-5-Diesel ein Fahrverbot gelten soll, könnten noch weitere Klassik- und Kulturfreunde künftig auf ein Konzertbesuch verzichten. Betroffen seien vor allem ältere Besucher aus dem Stuttgarter Umland, für die öffentlichen Verkehrsmittel oft keine Alternative darstellen. Die Stuttgarter Schauspielbühnen und die Kulturgemeinschaft meldeten nach Zeitungsangaben derweil ähnliche Fälle.

Ausnahmeregelung für Konzertgänger?

Um die Klassikfan bei Laune zu halten, hat Russ der Stadt in einem Schreiben an Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen) einen Lösungsvorschlag unterbreitet. Konzertbesucher mit gültigem Veranstaltungsticket sollen mit einer Ausnahmeregelung auch künftig mit ihrem Auto zu den Spielstätten fahren dürfen. Die Zahl der abendlichen Fahrten sieht er als gering an, sie würden daher die Luft nicht groß belasten.
Ob die Stadtverwaltung weitere Ausnahmegenehmigungen erteilt, ist allerdings fraglich. Diese kommt für Privatpersonen in erster Linie nur für Geringverdiener mit einem monatlichen Einkommen unter 1100 Euro in Frage, bei denen die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs existenzgefährdend sein könnte.

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