Staatskultur SängerInnen der Ungarischen Staatsoper werden "Afro-Amerikaner"

Nach dem Willen des Komponisten George Gershwin darf seine Oper ausschließlich von Schwarzen aufgeführt werden. In Ungarn hat man an der Staatsoper dafür einen ungewöhnlichen Ausweg gefunden.

Porgy and Bess in Budapest (Foto: SWR, Budapester Staatsoper - Péter Rákossy)
Premiere war bereits am 27. Januar 2018: Die Porgy and Bess-Inszenierung an der Budapester Staatsoper mit bekennenden Afro-Amerikanern Budapester Staatsoper - Péter Rákossy

15 SängerInnen der Ungarischen Staatsoper haben sich in schriftlichen Erklärungen als "Afro-Amerikaner" bekannt. Dies gab Staatsopern-Intendant Szilveszter Ókovács am Montagabend, 8. April, im privaten Fernsehsender ATV bekannt. Hintergrund ist ein juristischer Streit mit den Rechteinhabern der Oper "Porgy und Bess" von George Gershwin. Die Erben des Komponisten verlangen von Opernhäusern, die das Werk aufführen, dass die Darsteller Schwarze sein müssen, um damit dem Willen des Komponisten nachzukommen.

Die Staatsoper in Budapest führt "Porgy und Bess" seit mehr als einem Jahr nur mit weißen SängerInnen auf und sieht nun einer möglichen Klage der Rechteinhaber entgegen. Um in dem drohenden Rechtsstreit die eigenen Chancen zu verbessern, forderte Ókovács die an der Aufführung mitwirkenden Darsteller auf, sich schriftlich als "Afro-Amerikaner" zu bekennen. In ungarischen Medienberichten war von massivem Druck auf die Sänger und Sängerinnen die Rede.

Staatsoper unter staatlichem Einfluss

Der Intendant gilt als Günstling des mächtigen rechts-nationalen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Im Gespräch mit dem Sender ATV meinte Ókovács: "In Ungarn gibt es kein Hautfarben-Register." In der Erklärung, die 15 von 28 Darstellern unterschrieben, heißt es, dass "afro-amerikanische Herkunft und Bewusstsein einen untrennbaren Teil der Identität" des Unterzeichners bilde. Die Ungarische Staatsoper war bereits im Vorjahr international ins Gerede gekommen, nachdem sie auf Druck von homophoben Orban-Anhängern Aufführungen des Musicals "Billy Elliot" vom Spielplan gestrichen hatte.

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